1. April 2021

Eine große Portion Pathos bitte!

Zack Snyder's Justice League jetzt im Heimkino
Eine große Portion Pathos bitte!

Seit Coppolas »Apokalypse Now Redux« hatte es das wohl in der Kinogeschichte bis jetzt nicht gegeben, dass sich ein Regisseur nach einigen Jahren der Uraufführung noch einmal so intensiv mit dem eigenen Film auseinandersetzt, um SEINE Version zu veröffentlichen. Zack Snyder hatte »Justice League« (2017) aus familiären Gründen nicht beenden können, zudem war er mit der Studiovorgabe: maximal zwei Stunden Laufzeit und weniger düster als »Batman v Superman« nie wirklich einverstanden gewesen. Joss Whedon, Regisseur zweier »Avengers« Filme, übernahm nicht nur die Postproduktion, sondern ließ Drehbuch, Schnitt, Musik und Stil umbauen. Das Ergebnis war ein Film, der viele Fans und Kinofreunde zwiegespalten zurückließ.  

 

Schon im letzten Jahr sollte nun eine Version ins Kino kommen, die Snyder verantworten konnte und wollte. Für den ultimativen Filmgenuss ließ er deshalb im Format 4:3 drehen, wie es für IMAX Kinos gebräuchlich ist. Dieser Effekt geht nun allerdings in unserer heimischen 16:9 Fernsehwelt verloren. Aus den unzähligen nicht verwendeten Originalaufnahmen und einigen Nachdrehminuten, bei einem Budget von rund 70 Million Dollar, ist er nun online zu sehen: »Zack Snyder’s Justice League«. 

 

Fast vier Stunden Heimkinovergnügen erwarten den Zuschauer, um noch einmal mitzuerleben, wie Batman, Superman, Wonder Woman, Aqua Man, Cyborg und The Flash (Ben Affleck, Henry Cavill, Gal Gadot, Jason Momoa, Ray Fisher, Ezra Miller) fliegen, leiden und kämpfen, um die Welt vor der Eroberung des außerdimensionalen Bösewichts „Steppenwolf“ (Ciaran Hinds), zu retten.  

 

So weit bleibt alles beim Alten. Neu im Ensemble sind jedoch der Oberschurke „Darkseid“ (Ray Porter) und der mysteriöse Martian Manhunter (Harry Lennix). Freund Steppenwolf bekam zudem ein komplettes „Make over“, was die alberne CGI Figur des ersten Films optisch etwas angenehmer macht. Wirklich gut ist es immer noch nicht gelungen. Dafür hat man ihm mehr Geschichte eingeräumt, man erfährt jetzt, warum er die Erde heimsucht und dass er eigentlich nur um die Gunst seines Meisters Darkseid buhlt. Cyborg, aus der Riege der Helden, wird ausführlicher dargestellt und auch für Aqua Man bleibt etwas mehr Sendezeit übrig. 

 

Leider vor allem als halbnackter Schönling ohne sinnvolle Dialoge. Insgesamt wird auch bei den nun vier Stunden Snyder Cut wenig gesprochen, aber viel gesungen! Zwischendurch werden dramatische Kurzsätze und hölzerne Ansprachen gehalten. Allgemein ist das Zeitbudget eigenartig verteilt: Die erste Stunde dümpelt vor sich hin und auch zwischendurch gibt es etliche Längen, in denen die Helden nur herumstehen und in die Abendsonne starren. Dazu wird das Stilmittel der Zeitlupe in bizarrer Häufigkeit benutzt. Der alte Baywatch-Trick ist hier unnötig. Der ganze Film könnte problemlos 40 Minuten kürzer sein – ohne die ständige Slow Motion, denn es gibt keine einzige Bikiniszene! Und auch kaum etwas auflockernden Humor. Bei all den ernsten Gesichtern wirken „The Flashs“ infantile Einwürfe fast schon deplatziert. Auch farblich ist alles düster und monochrom gehalten. Aber nur, weil sich die Sonne bedeckt hält, hat man nicht automatisch einen „Film Noir“. 

Der Snyder Cut erstickt an seinem eigenen Pathos.

Die ganze Filmreihe, von »Man of Steel« bis heute, zeichnet sich durch flache Drehbücher mit ebenso eindimensionalen Charakteren aus. Der Vergleich zum Marvel Universum ist ein wenig müßig, aber doch notwendig. Dort haben die Figuren ein echtes Leben, einen Alltag, und müssen sich das gegenseitige Vertrauen, aber auch die Gunst der Zuschauer erarbeiten. Bei DC ist alles einfach da – man kennt ja seine Helden, wozu eine Hintergrundgeschichte?! Auch die Einzelfilme der Amazone und des Fischmannes brachten wenig Menschliches auf die Leinwand. 

Lohnt sich also die Zeit auf dem Sofa? Weil noch ein paar Monate Corona Blues vor uns liegen, auf alle Fälle. Aber davon abgesehen, ist es durchaus ansprechende Unterhaltung. Nur eben bei weitem nicht so gut, wie es sein könnte.

 

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