Iron Sky - Wir kommen in Frieden!

Science-Fiction/Komödie, Finnland/Deutschland/Australien 2012, 92 min

Selten hat es einen Film gegeben, der vor seiner Fertigstellung bereits Armeen von Fans generieren konnte und von diesen auch zum Teil mitfinanziert wurde. Eine Variante, welche ich zuvor nur aus dem Musikgeschäft kannte, aber für die Filmbranche durchaus ein gutes Modell sein kann.
Jetzt haben wir aber alle lang genug auf »Iron Sky« gewartet, welcher nun pünktlich zur selbstverliebten und politisch korrekten Berlinale so mal nebenbei überaus erfolgreich Halleluja sagte. 67 Jahre nach dem Untergang des Dritten Reiches weiß aber unser Land offensichtlich immer noch nicht mit der Vergangenheit umzugehen, und so wird zum x-ten Male im deutschen Blätterwald die dämliche Frage gestellt: „Darf man denn das?“ Noch mal, darf man! Seit 1989 noch mehr und als Finne (Regisseur Timo Vuorensola) sowieso. Man darf sich sogar einen Seitenscheitel kämmen und ein Stück schwarzen Gaffa unter die Nase kleben!
Als sich der Gescheitelte 45 die Kugel gab, floh ein Teil der Elite nach Neuschwabenland in die Antarktis, um von dort mit sagenumwobenen Reichsflugscheiben auf die dunkle Seite des Mondes zu fliehen und Armstrongs legendären Satz schon mal in großdeutscher Abwandlung vorwegzunehmen. Eigentlich ist ja die Bezeichnung dunkle Seite des Mondes Unfug, da sie genauso oft Licht bekommt wie die Seite, die wir sehen können, aber The Dark Side Of The Moon klingt natürlich spannender und passt auch besser zu deren Neubewohnern, die sich´s dort recht gemütlich kolonös eingerichtet haben. 73 Jahre später, wir schreiben das Jahr 2018, also nix mit Majaschnickschnack, die US-Präsidentin (Palinmäßsch Stephanie Paul) schickt aus PR-Gründen, 46 Jahre nach dem letzten Mondbesuch von Apollo 17, wieder mal ne Spacecrew hoch. Mit dabei der schwarze Astronaut James Washington (Christopher Kirby). Natürlich treffen beide Parteien auf dem Erdtrabanten verdutzt aufeinander, und die Kolonie unter der Führung des Neuführers Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier) wähnt sich von den Amerikanern entdeckt. Dass die Mondnazis in den letzten 76 Jahren keine Regolithsteckrüben gezüchtet, sondern Wernherlike ihre Flotte aufgerüstet haben, ist auch klar. Jetzt heißt es nicht lang fackeln, sondern den verspäteten Endsieg einfahren. Ein Krieg mit Weltraumnazis kommt der US-Präsidentin in ihrem Wahlkampf gerade recht und eine schöne Ballerei, bei der George Lucas vor Neid yellowgelb anlaufen würde, nimmt seinen totalen Lauf. Doch die Kosmonazis haben noch die Vergeltungswaffe „Götterdämmerung“ auf Tasche, in der ein von Herrn Washington mitgebrachtes I-Phone eine wesentliche Rolle spielt. Verlass ist auch auf des Regisseures vortrefflichen Musikgeschmack, der Führer, äh Gott sei Dank nicht Rammstein eingebaut hat, sondern die im Niveauregal ganz oben angesiedelten Laibach verpflichten konnte. Wie Herr Krabbe sagen würde und auch zur Berlinale laut im Saale ausrief „Schönes Ding!“
Ray van Zeschau (Geht jetzt mal Biergeld sammeln)