Mr. Nobody

Drama, Deutschland/Frankreich/Belgien/Kanada 2009, 139 min

Zu einer Zeit, in der schon lange kein menschliches Wesen mehr seiner vergänglichen Existenz nachtrauern wird, wenn jeder unsterblich ist und nacheinander jedes Leben leben kann, das ihm gerade in den Sinn kommt, erinnert sich ein letzter sterblicher Greis mit Namen Nemo Nobody an seine Jugend. Verbittert, so als hätte der große Zauberer Zufall ihm damals alles entzogen. Als Nemo beim Kindergeburtstag die drei Kuchen ausschlägt, weil er sich nicht entscheiden kann. Genauso wenig, wie zwischen den drei kleinen Grazien seiner Kinderzeit. Nein, der Zufall bleibt hart und unerbittlich, als er ihm am Bahnsteig seiner Kindheit auflauert. Rückblende: der kleine Nemo stürmt dem davonfahrenden Zug hinterher. Erreicht er ihn und die Hand der Mutter, folgt daraus sein Leben mit Elise, das ihn unzufrieden und unglücklich machen wird. Verpasst er beide und bleibt beim Vater, bedeutet das für Nemo Luxus und Langeweile mit Jeanne. Folgt er seinem Herzen, dann findet er die ewige Liebe mit Anna. Ewig deswegen, weil er sie immer wieder verlieren wird. Und doch bleibt sie einzig und wahrhaftig. Drei Leben, jedes angefüllt mit Dingen, die er sich gewünscht hätte, mit Momenten, die er gern gelebt hätte. So berauschend, dass sich einem im Kino die Nackenhaare aufstellen. Die Pixies grölen dazu Where is my mind und Nemo verliert fast den Verstand bei dem Versuch, sich für eines seiner Leben zu entscheiden. Der Zufall ist eines der großen Kinothemen, das Leben sowieso. Bereits für sein Erstlingswerk »Toto, der Held« wählte der belgische Regisseur Jaco van Dormael diese Konstellation vom verbitterten Greis, der sein Leben resümiert. Jetzt borgt er sich noch den Bahnsteig samt Zug bei Kieslowski und hüllt seine traumhaft schönen Jugenderinnerungen ein in eine unterkühlte, futuristische Klammer. Aus der heraus man dem 117-jährigen Nemo endlich den Frieden wünscht, den er seit einer halben Ewigkeit sucht.