Amelia

Drama, USA/Kanada 2009, 111 min

Amelia Earhart war eine reale Person und wurde erstmals im Juni 1928 international gefeiert, als sie als erste Frau mit einem Flugzeug den Atlantik überquerte. Aber nun halten Sie sich fest, nicht etwa als Pilotin, wie man zunächst glauben mag, sondern als Passagierin. Angesichts der Tatsache, dass heutzutage nicht nur tausende Frauen mit einem Höchstmaß an Selbstverständnis den Atlantik als Passagiere überqueren, sondern dies sogar Babys tun, kann man die Aufregung vom 18. Juni 1928 kaum noch nachvollziehen. Ein weltberühmter Fluggast zu sein, war allerdings Amelias Sache nicht. Wenn berühmt, dann schon hinter dem Steuerknüppel eines Flugzeuges. Vier Jahre später war es dann soweit, und sie überflog als erste Frau im Alleingang wie fünf Jahre zuvor Charles Lindbergh den Atlantik. 78 Jahre nach ihrem bemerkenswerten Rekord, welcher natürlich auch ein großes Zeichen und Signal für die Gleichberechtigung der Frau darstellte, bringt die Regisseurin Mira Nair nun ein Lebensbild dieses draufgängerischen Weibsbildes auf die Leinwand. Nairs Film steigt 1928 ein. Amelia ist bereits des Fliegens mächtig und schnappt sich einen Flugrekord nach dem anderen. Nur im Privatleben läuft es nicht so wie es sollte. Zwar lernt sie den feschen New Yorker Verleger und Promoter George Putnam (Richard Gere) kennen, der sie sehr in ihrer Leidenschaft unterstützt, doch über die emotionale Rolle des Liebhabers wächst Putnam für Amelia nicht hinaus. Trotzdem heiratet sie ihn und beide führen für damalige Verhältnisse eine, sagen wir mal, sehr moderne Ehe. Liebe scheint sie nur kurz in der Affäre mit dem Piloten Gene Vidal (Ewan McGregor) zu finden. Aber auch hier so wie in anderen eigentlichen Gefühlsmomenten hält sich die Regisseurin irgendwie bedeckt. Nur wenn es um das eigentliche Thema, das Fliegen, geht, entfaltet der Film seine ganze Leidenschaft. So legt das Werk erst gegen Ende ein paar ordentliche Kanister Emotions hinzu, als Amelia die größte Herausforderung ihres Lebens antritt. Die Umrundung des Erdäquators. Am 21. Mai 1937 startet sie mit einer Lockheed Electra von Miami aus. Nachdem sie und ihr Navigator Fred Noonan drei Viertel des Erdballes umrundet hatten, verschwinden beide irgendwo in der Mitte des Pazifik auf nimmer Wiedersehen. Zwar fand man ab und an auf Gardner Island (unbewohnt) einige Hinweise, dass beide dort eventuell notgelandet sein könnten, der absolute Beweis blieb aber bis heute aus. So entstanden immer wieder die wildesten Gerüchte, welche den Ruhm und die Legende Amelia Earhart für immer in die Menschheitsgeschichte meißelten. Für Freunde der Luftfahrt ist dieser Film ein unbedingtes Muss. Für den Rest bleibt abzuwarten, da er im Gegensatz zu »The Aviator« ein wenig zu unpersönlich daherkommt. Leider.
Ray van Zeschau (Flog erstmalig 1976 als Zwölfjähriger allein mit einer IL-18 die Strecke Berlin-Schönefeld - Sofia (mit))