Shine a Light

Dokumentation/Musik, USA/Großbritannien 2008, 122 min

Das tut mir aber light. Man kann eben nicht immer alles wissen. Erster Gedanke: Martin Scorsese und Musikfilm? Ein Musikfilm ohne Gangster, Mafiosi und Robert de Niro? Dann aber, na klar, richtig, Marty hatte ja bereits »The Band« (The Last Waltz) gedreht, der sogar etwa acht Jahre später in der DDR gezeigt wurde. Rundkino, Garde und so. War zwar damals nicht wirklich meine Musik, aber Westmusik. Das reichte allemal …und »The Band« waren zwar nicht die Stones aber: Ron Wood spielte mit auf! Das waren zwar auch nicht die Stones, aber ein Häppchen und selbst für ein Häppchen Stones war man da schon dankbar. Ein paar Jahre später hätte ich, wer hätte das gedacht und Wir sind das Volk sei Dank, mir Ron Wood mit den restlichen vier Kollegen plötzlich live reinziehen können. Da war es dann aber zu spät und mich haben andere Sachen interessiert. Nun kann man von den Rolling Stones halten was man will, aber sie sind unzweifelhaft die wohl berühmteste und noch dazu dienstälteste Rock-Band überhaupt. Im Herbst 2006 gaben die Stones zwei Konzerte im New Yorker Beacon Theatre und Martin Scorsese war mit der Creme der Kameramänner Hollywoods mittendrin. Einen vorzüglicher gearbeiteten Konzertfilm hat mein Auge zuvor nicht erblickt. Anfänglich erinnert »Shine A Light« bezüglich des Drumherums bisschen an den ABBA-Film, was jetzt überhaupt nicht negativ gemeint ist und bleibt aber im Gegensatz zu diesem vollkommen authentisch und unfiktiv. So zeigt uns der Regisseur neben stonesbiografischen Zwischenschnitten seine Vorbereitungen des Filmes sowie die der Konzerte, welches sehr die Spannung des eigentlichen Gigs wachsen lässt, bis es dann schließlich und endlich losgeht. Neben unvermeidlichen Stücken wie „Satisfaction“ oder „Start me up“ bekommt man aber auch zuvor nie live dargebotene Stücke zu hören und natürlich zu Gesicht. Würde man nicht die tiefen Falten eines Mick Jagger sehen, möchte man nicht glauben, dass dieser Mann, der Duracellhasengleich wie am ersten Tag vor 46 Jahren herumspringt, bereits im Juli das Rentenalter von 65 erreicht. Faszinierend auch, wie die fast alles überstrahlende Coolität eines Keith Richards (Der Vater von Jack Sparrow) von Jahr zu Jahr anschwillt. Wer also mal ungestört ein phantastisches Stoneskonzert aus der ersten Reihe und nicht umgeben von johlenden und verklärt ewig gestrigen Ossis erleben möchte, dem sei dieser Konzertfilm dringlichst an Auge und Ohr gelegt. Man kann von den Stones halten was man will, wer aber diesen Film gesehen hat, weiß, dass diese fitten Herren sicherlich nicht aus niederen finanziellen Gründen noch Konzerte geben, denn it´s only Rock'n'Roll, but they like it.
Ray van Zeschau (heimlicher Stonesplattenbesitzer)