Die Fährte des Grauens

Horror/Action, USA 2007, 93 min

Insider der Schni-Schna-Schnappi-Szene wissen es schon lange: Zwei große Krokodile, Rogue und Gustave, belauern sich gegenseitig seit nunmehr einem dreiviertel Jahr, und keines von beiden will als erstes das Maul aufmachen. Folgerichtig grübelt seit dreiviertel Ur-Zeiten die ur-deutsche Tochter einer amerikanischen Mutter-Marke, ob sie ihren fetten Film-Flopp-Happen nicht lieber gleich in die gierigen Mäuler der DVD-Ripper werfen soll. Sie hat »Gustave« hin- und her- und wieder zurückgeschoben, ihn umbenannt oder zielgruppen-technisch neu ausgerichtet. Und siehe da, es geschehen noch Wunder auf der Movie-Müll-Halde Europa. Gi-Ga-Gustave lebt, frisst und begibt sich nunmehr als »Primeval« auf die Fährte des Grauens. Eine UN-Beauftragte in Burundi endet, Fährten lesend, als Futter für’s Riesenkrokodil Gustave, weil sie beim Spazieren auf dessen Bio-Tonne stößt. Als sie das Massengrab vor sich hat, glaubt sie es mit dem lokalen Bürgerkrieg in Verbindung bringen zu müssen und stört mit ihrer Stocherei in Gustaves Essensresten dessen Mittagsschläfchen. Schnapp, und Schnitt. Bei einer derartigen Gelegenheit zögern zwei amerikanische Jounalisten keine Minute zuzuschnappen, um sich als investigative Reporter mit Biss zu profilieren. Schließlich gehören solche Tisch-Manieren angeprangert. Darüber hinaus wäre es doch gelacht, wenn man neben der Story nicht auch gleich noch das Reptil profitabel an irgendeine Handtaschen-Bude verticken könnte. Der Plan ist simpel. Aus dem erfolgreichsten (das ist O-Ton vom Verleih. Schnapp, und Hirnriss) Serienkiller der Welt eine Gute-Nacht-Geschichte machen, viel Geld verdienen, und Gustave nach moralischem Freispruch dann ganz Knut-delig in den New Yorker Streichelzoo setzen. Tim und Aviva wollen das Krokodil einfangen und in einer Kiste wie einst King Kong nach Hause bringen. Wenn ihr mich fragt, ein ganz schlechter Plan. Und mies recherchiert noch dazu. Hätten die beiden wenigstens einmal das Tourismus-Büro in Bujumbura angerufen, wäre ihnen sicher aufgegangen, dass das große Theofil einen kleinen Theofilius als Nachahmer hat. Bei Serienkillern nicht unüblich, Little Gustave ist der Halsabschneider vor Ort und mindestens genauso fleißig in Sachen Massenmord wie das kiefermäulige Wassertier. Was jetzt folgt, ist etwas Schießbuden-Voodoo, ein wenig Huba-Huba mit die große weiße Jäger-Mann und echte Hysterie bei der Alligator-Presse. Ein richtiger Warlord kann nämlich amerikanische Schnüffler überhaupt nicht gebrauchen. Am Ende stecken die ihn noch in einen Streichelzoo…
W. Larsen