Bobby

Drama, USA 2006, 116 min

Bis zum heutigen Tag ist die Frage ungeklärt, wer und damit auch warum Robert F. Kennedy am 5.Juni 1968 erschossen wurde. RFK ist ein ebenso mysteriöser Mordfall wie JFK, bloß dass sich für die Aufklärung von Bobbys Ermordung außer dem Anwalt Lawrence Teeter kaum noch jemand interessierte. Und der verfolgte den Fall bis zu seinem eigenen Tod im Jahre 2005 höchst intensiv nur deshalb, um den vermeintlichen Mörder zu entlasten. Seit 1968 sitzt der Palästinenser Sirhan B.Sirhan im Gefängnis, nachdem sein Todesurteil umgewandelt wurde in eine lebenslange Haftstrafe. Ob hier eine Verschwörung, Geheimdienstmachenschaften oder übersinnliche Beeinflussung von außen vorliegen, bleibt vermutlich auch in Zukunft ein ungelöstes Rätsel. Doch auf solcherlei Spekulation wollte sich Regisseur und Drehbuchautor Emilio Estevez nicht einlassen, und von vorn herein sah sein Anliegen völlig anders aus. Als er zufällig in Pismo Beach/CA. in einem Hotel saß und über das Buch nachdenken wollte, begegnete ihm eine Frau an der Rezeption, die 1968 im Ambassador Hotel von L.A. dabei war, weil sie für Kennedy als Volontär gearbeitet hatte. Sofort standen der Frau Tränen in den Augen und für Estevez stand fest, wie er die Sache angehen müsste. Nicht die Tat, das Opfer, die Hintergründe oder die möglichen Positionen des Schützen wollte Estevez in den Fokus seiner Betrachtung rücken, sondern er würde ganz wahllos und spontan miteinander wiederum aufs Feinste verknüpfte Schicksale jener Nacht im Ambassador Hotel aufzeigen. „The once and future king“ schreibt der schwarze Chefkoch an die Wand der Küche und meint damit vielleicht nur seinen ihm untergebenen mexikanischen Kollegen Jose. Die junge Diane wird in dieser Nacht vielleicht William Avary heiraten. Ausschließlich, damit der nicht nach Vietnam eingezogen wird. Hotelmanager Ebbers will dagegen an jenem Abend seine Affäre mit der Telefonistin Angela beenden und John Casey kommt seit Jahren ins Ambassador zurück, weil er den alten Kasten so mag, in dem er sein ganzes Leben lang als Portier gearbeitet hat. Mit dem neuen Nachtwächter spielt er für sein Leben gern eine Partie Schach und zieht über die modernen Zeiten her. Wahlkämpfer gehen mit der Kellnerin auf Acid-Trips statt ihrer Arbeit nach, die Barsängerin Virginia ist bereits mittags hoffnungslos betrunken, während ausgerechnet auf Mister Kennedys Wahlparty die Hotel-Angestellten am Wahlrecht gehindert werden sollen. Alle hatten im Frühsommer 68 einen Traum von ihrem eigenen, privaten Glück und von der Welt drum herum. Manche träumten von der Aufrichtigkeit, mit der erneut ein Kennedy versuchte, der US-amerikanischen Gesellschaft ein menschlicheres Antlitz zu versprechen. Das Wertvollste und Zerbrechlichste sind die Träume. Das weiß am Morgen des 6.Juni auch Lenka, die tschechische Journalistin. Ihr weiter Weg aus Europa und damit die Hoffnung einer ganzen Freiheitsbewegung endeten bei RFKs Vorzimmer-Bulldogge Wade Buckley. C. Fredo