Babel

Drama, USA 2006, 144 min

Zwei Jungen hüten Ziegen in der marrokanischen Wüste. Seit kurzem besitzen sie ein Gewehr, mit dem sie Schakale vertreiben sollen. Im Übermut zielen sie auf einen winzigen Bus, der gerade das Tal durchquert. Nach dem Schuss sind sie enttäuscht, doch als der Bus stoppt, fährt ihnen der Schreck in die Glieder und sie nehmen die Beine in die Hand. Wieder beginnt Alejandro Gonzáles Inarritu seine Geschichte mit einem Unfall, mit einem Dumme-Jungen-Streich und wieder mündet dies fast in einer weltumspannenden Katastrophe. Zumindest für die beteiligten Personen. Mit einem Gewehr auf einen Reisebus zu schießen, kommt zwar nicht annähernd dem Flügelschlag eines Schmetterlings gleich, doch Iñ?árritu verknüpft nur zu gern die Schicksale seiner Protagonisten auf diese sprichwörtliche Art. Und erspart seinen Charakteren auch nicht den persönlichen Hurrikan. Für Richard kommt dieser ganz unvermittelt, als seine Frau Susan von der Gewehrkugel getroffen wird. Sie blutet stark und benötigt dringend Hilfe. Richard irrt unter Menschen umher, deren Sprache er genauso wenig versteht wie die dazugehörige Kultur. Zumindest gelingt ihm ein Anruf nach San Diego/Californien, um dem mexikanischen Kindermädchen die Situation zu erklären. Amelia ist verzweifelt, denn nun läuft sie Gefahr, die Hochzeit ihres Sohnes zu verpassen. Schließlich kann sie die Kinder nicht mitnehmen nach Mexico. Richard findet in Marokko einen Viehdoktor, der sich bereit erklärt, wenigstens die Blutung zu stillen und Susan notdürftig zu behandeln. Doch die anderen Touristen sitzen ihm im Nacken, denn es gelingt Richard nur mühsam, sie am Weiterfahren zu hindern. Während sich Amelia und ihr Neffe Santiago zusammen mit den Kindern nach Mexico aufmachen und die marokkanische Polizei nach den mutmaßlichen Terroristen fandet, beobachtet die taubstumme Chieko in Tokio, wie das Bild ihres Vaters in Zusammenhang mit einer toten, amerikanischen Touristin durch die Nachrichten geistert. Als kurz darauf zwei gutaussehende Polizisten bei ihr klingeln, unternimmt die verzweifelte Teenagerin einen letzten Versuch, Kontakt zu ihrer Umwelt aufzubauen. Der Film verknüpft drei sehr unterschiedliche Kulturen in ihren gemeinsamen Versuchen zu erfolgreicher, zwischenmenschlicher Kommunikation. Das Wort als Vermittler ist dem Menschen abhanden gekommen. Nicht weil Gott sie mit dem babylonischen Sprachgewirr gestraft hat, sondern weil sie scheinbar verlernt haben, einander zuzuhören. Geredet wird ja genug. In einer Zeit, wo immer mehr Menschen gleichzeitig miteinander kommunikativ vernetzt werden und die Download-Geschwindigkeiten pro Gigabyte immer rasanter zunehmen, misslingen Iñ?árritus Helden die ganz einfachen Frage-Antwort-Spiele.
C.Fredo
alpa kino