Kleine Missgeschicke

Drama/Komödie, Dänemark 2001, 109 min

Eben noch sind die Olsens eine glückliche Familie, kurze Zeit später sehen sich deren Mitglieder mit dem Unfalltod der Mutter konfrontiert. Ein Schock für alle, mit dem jeder auf seine Art zurecht zu kommen versucht. Vater John, Arzt an einem Krankenhaus, ist ein Spaßvogel, dessen größte Angst es ist, jemand könnte ihn nicht mehr witzig finden. Als seine Frau stirbt, vergeht ihm zum erstenmal das Lachen. Ihr Tod stellt ihn nach 46 Ehejahren vor völlig neue Herausforderungen. Ihm zur Seite steht Nesthäkchen Marianne, die sich auch mit Ende zwanzig noch nicht von zu Hause abgenabelt hat. Sie lebt bei den Eltern, hat zwar eine Ausbildung als Hauswirtschafterin gemacht, aber noch nie im erlernten Beruf gearbeitet. So gut wie möglich versucht sie nun die Mutter zu ersetzen, was bei ihrer Schwester Eva einen bösen Verdacht keimen lässt. Eva selbst ist eine verhinderte Künstlerin, die sich mit diversen Jobs über Wasser hält. Nachdem sie sich erfolglos der Haiku-Dichtkunst gewidmet hat, will sie sich jetzt in der Malerei versuchen. Doch jedesmal, wenn sie vor der leeren Leinwand steht, muss sie aufs Klo. Für Johns Bruder Sören ist mit 50 das Berufsleben schon beendet. Er lebt mit seiner Frau Hanne auf dem Lande, soeben wurde er wegen Arthritis arbeitsunfähig geschrieben. Während er sich auf ein gemütliches Rentnerdasein mit Gartenarbeit und Fernsehen freut, erwartet Hanne noch ein wenig mehr vom Leben. Als Einziger erfolgreich im Berufsleben steht Mariannes und Evas Bruder Tom. Doch der erfolgreiche Architekt steckt in einer ernsten Ehekrise. Seine Frau ist es leid, immerzu hinter der Karriere ihres Mannes zurückzustehen.
Mit zurückhaltendem Humor, teils auch absurder Komik beschreibt Annette Olesen die innere Entwicklung, die die Krise bei den einzelnen Familienmitgliedern auslöst. Ungeachtet ihrer Fehler und skurrilen Eigenheiten stellt sie ihre Figuren niemals bloß. Die Darsteller konnten ihre Rollen nach der sogenannten Mike-Leigh-Methode selbst erarbeiten: Es gab kein fertiges Skript, erst aus Improvisation und Rollenspiel wurde die endgültige Handlung entwickelt. Herausgekommen ist ein liebenswerter kleiner Film, dessen Stärke gerade in der unspektakulären Behandlung spektakulärer Themen liegt. Stilsicher zwischen Trauer und Komik schwankend, wird Olesons einfühlsame und lebensnahe Familiengeschichte sicher ihren Weg in die Herzen der Zuschauer finden.
Der Film der dänischen Regisseurin Annette K. Olesens erhielt bei der Berlinale 2002 den „Blauen Engel“ für den besten europäischen Film. Anne Wotschke