Tal der Wölfe - Irak

Action, Türkei 2006, 122 min

Den türkischen Straßenfeger »Kurtlar Vadisi«, der hier zu Lande innerhalb von sechs Wochen bereits von über 400.000 gesehen wurde, kennt in der Türkei jedes Kind. Weil die Kinoversion dort ohne Altersbeschränkung läuft und weil die Figur des Agenten Polat bereits in 97 Fernsehfolgen gegen die “Mafia“ gekämpft hat. “Mafia“ meint in dem Fall alle Wirtschaftsmagnaten, Freimaurer, Juden, Freunde Amerikas und Israels. In der Kinoversion zieht Polat in den Irak. Dort will er Vergeltung üben für den 4.Juli 2003 (!), als elf türkische Soldaten im Nordirak (!) von amerikanischen Elitetruppen gefangen gesetzt, mit schwarzen Kapuzen verhüllt, verschleppt und des Landes verwiesen wurden. Hier schwört Polat Alemdar Rache und hier verlässt der Film auch den Boden der Authentizität…
Eine offensichtlich türkische Provokation, die von einer ebensolchen auf amerikanisch beantwortet wird, zieht eine weitere offensichtlich türkische Provokation nach sich, die wiederum etliche internationale Reaktionen zur Folge hat. Spätestens hier wäre es an der Zeit, die ganz, ganz unterste Schublade auf zu ziehen, in welcher alle Filme vor sich hin gammeln, worin vietnamesische Schlitzaugen massakriert, arabische Terroristen geschlachtet oder kommunistische Banden weggebombt werden. Doch das Zögern hat gleich mehrere handfeste Gründe. Wann hat ein Politiker unseres Landes jemals Partei und das Wort ergriffen, wenn es um all die bisherige “sozial desorientierende Gewaltdarstellung“ im Kino ging? Was macht die Supermächte USA oder Israel derartig verwundbar oder beschützenswert, dass sich alle deutschen Kinobetreiber auf deren Seite stellen sollten? Welcher Art von “freiwilliger Selbstkontrolle“ (die “FSK“ stufte den Film erst auf 18 Jahre, dann auf 16 und zum Schluss wieder auf 18 ein) wollen wir uns künftig unterziehen lassen? Wer sitzt hier eigentlich auf dem Bock und hält die Mohrrübe vor wessen Eselskopf?
Das Kino Thalia lädt alle zur Diskussion oder einfach nur zum Film ein, die sich noch daran erinnern, dass »Rambo 1« in Deutschland das Prädikat “besonders wertvoll“ von der FSK bekam, die sich ein eigenes Bild machen wollen von »Tal der Wölfe« und die sich selbst von “der provozierenden Kraft rassistischer Ressentiments“ überzeugen wollen. Von offensichtlichen Provokationen bitten wir allerdings abzusehen.

Buch: Raci Sasmaz, Bahadir Özdener

Regie: Serdar Akar

Darsteller: Necati Sasmaz, Billy Zane, Bergüzar Korel, Ghassan Massoud, Gary Busey

Bundesstart: 09.02.2006

Start in Dresden: 13.04.2006

FSK: ab 18 Jahren