TRAILER

Mittagsstunde

Drama, Deutschland 2022, 97 min

Was ist mit Brinkebüll passiert? Kein Bäcker mehr da, keine Kastanienbäume, keine Störche. Auf den Feldern wächst nur mehr noch Mais. Ingwer Feddersen (Charly Hübner) kehrt mit schlechtem Gewissen in sein Heimatdorf zurück, die Veränderungen sind drastisch. Viel zu lange hat er Vadder und Mutter allein gelassen. Sönke Feddersen (Peter Franke) ist hellwach im Kopf und hält sich trotz starker Gebrechlichkeit an seinem Tresen im Gasthof aufrecht. Ella (die unvergleichliche Hildegard Schmahl) ist noch rüstig, aber stark dement. Sönkes von Hämatomen gezeichnete Arme sprechen Bände - Ellas Demenz tobt sich an ihm aus, auch eine mühsam unter Verschluss gehaltene Aggression. Ingwer, eh in einer Lebenskrise, abgetörnt von seiner Lehrtätigkeit in Kiel und seinen WG-Freunden, beschließt ein „Bummeljahr“ zu nehmen und die Eltern zu pflegen. Er taucht in den dörflichen Mikrokosmos ein und versucht die losen Enden der Vergangenheit zu verknüpfen, deren langen Schatten nachzugehen. Er will die wehmütige Lähmung loswerden, die knapp unterm Lid verborgene Unsicherheit, die daher kommt, dass er mit Ende vierzig noch immer nicht recht weiß, wer er ist. In vielen Rückblenden erschließt sich die Vergangenheit mit ihren Geheimnissen, die Umbrüche im Dorf Brinkebüll, des eigentlichen Hauptdarstellers in Dörte Hansens Bestseller „Mittagsstunde“, kongenial verfilmt von Lars Jessen (»Dorfpunks«, 2009). Die glänzende Besetzung tut ein übriges: Neben den schon Erwähnten sind das Gabriele Maria Schmeide und Rainer Bock als jüngeres Feddersen-Paar und Geo Swantje Kohlhof als Untergangsprophetin Marret.
Grit Dora