Der Tintenfisch und der Wal

Komödie, Australien 2004, 81 min

Seit »Kramer gegen Kramer« scheiden sich die Bösen von den Guten. Bei letzteren gibt’s immer ein HappyEnd, da findet die Familie wieder zusammen, meist kurz vorm Abspann, also fast wie im richtigen Leben. Bei den bösen Filmen geht es mehr um das Leben mit der Ehescheidung, oder besser um’s Leben danach.
Brooklyn, 1986. Die Berkmans kommen daher wie die klassische All-American-Familie. Bernard war einmal ein gefeierter Schriftsteller. Mittlerweile flüchtet er sich ins Unterrichten, denn seine Romane will niemand mehr verlegen, geschweige denn lesen. Seinem stattlichen und unerschütterlichen Ego kommt die Rolle des angehimmelten Literaturdozenten dagegen sehr genehm. Seiner Frau Joan braucht er auf diese Tour nicht zu kommen, im Gegenteil, gerade veröffentlicht sie ihr nächstes Buch. Der Erfolg gibt ihr Recht, Bernhard gibt ihr die Schuld an seiner eigenen Schreibblockade, und so gibt ein Wort das andere, prosaisch vollendet formulierte Sätze sind allerdings Mangelware. Es kommt zum Bruch und plötzlich steht die ganze Welt Kopf. Während die beiden Söhne Walt und Frank geradezu aus allen sprichwörtlichen Wolken fallen, richtet sich Bernhard sein neues Zuhause mehr musisch ein, er vermietet Bett und Tisch an seine attraktive Studentin Lili unter. Joan nimmt statt der üblichen Antidepressiva sportlich betonte Nachhilfestunden bei ihrem Tennislehrer.
Statistisch gesehen dürften die Hälfte aller Eheleute in Deutschland an dieser sehr flotten und nicht minder lehrreichen Geschichte Gefallen finden, zumindest aber Momente der Wiedersehensfreude, denn fünfzig Prozent aller Ehen werden wieder geschieden. In Fachkreisen wird gemunkelt, und beim SUNDANCE-Filmfestival sogar mit einem Regiepreis belohnt, dass auch die übrigen fünfzig Prozent noch immer glücklich verheirateter Eheleute diesen Film auf keinen Fall verpassen sollten.