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Exodus: Götter und Könige

Drama, Großbritannien/USA/Spanien 2014, 151 min

Seit Ridley Scott mit »Gladiator« das abgetrashte Genre des Sandalenfilms wieder salonfähig und vor allem sehenswert machte, ging es in Hollywood Schlag auf Schlag. »300«, »Alexander«, «Troja« und hast Du nicht gesehen zeugten davon. Wobei »Exodus« genau genommen und filmwissenschaftlich betrachtet eigentlich ein Monumental- und Bibelfilm ist. Nun ist aber Ridley Scott nicht der Mann, der sich ausufernd mit den Befindlichkeiten und inneren Kämpfen seiner Protagonisten aufhält, wie es vielleicht Martin Scorsese mit »Die letzte Versuchung Christi« einst tat, nein, ihn interessiert mehr das geradezu ausufernde Konfliktpotenzial, welches seine Figuren und die Story des Alten Testaments bzw. der Tora zu bieten haben.
Vor allem zwischen Moses und seinem späteren Widersacher Ramses hat er doch so Einiges auf Tasche, um eine ordentliches cineastisches Halleluja zu entfachen. Nun wissen wir spätestens seit Bronski Beat, dass Moses in einem Fluss gefunden wurde. Der ist da nicht einfach so besoffen reingefallen, sondern wurde als Baby in einem Schilfbettchen im Nil ausgesetzt, um ihm das Leben zu retten. Klingt bisschen seltsam, war aber so, da zu der Zeit der amtierende Pharao sämtliche männliche Kinder der Israeliten töten ließ. Dank der Zuwasserlassung Moses konnte rund 2875 Jahre später auch erfolgreich die planmäßige Erfindung der Nietenhose verbucht werden, da schon Moses der Familie der Levi angehörte. Das soll zwar hier nicht Thema sein, musste aber mal gesagt werden.
Wie es das Schicksal bzw. die antiken Erzähler nun wollten, findet die Tochter des Pharao den kleinen Moses in seinem Ökoboot an des Niles Uferrand und adoptiert den kleinen Matz. Moses wächst nun wohl behütet zusammen mit Ramses auf. Wobei mir jetzt nicht ganz helle ist, um welchen der elf Ramsen es sich hier eigentlich handeln soll. Während Ramses unaufhaltsam zum neuen Herrscher Ägyptens aufsteigt, wendet sich Gott himself visionsbarmäßig an Moses und gibt ihm den Auftrag, das unterdrückte Volk der Israeliten nach über 400-jähriger Versklavung in die Freiheit zu führen. Doch Ramses zeigt kein Verständnis für Moses’ Anliegen und fordert den Zorn Gottes heraus. Was dann kommt, weiß der gebildete Kinogänger und bietet den hier engagierten agierenden FX-Spezialisten wieder mal die schier unerschöpflichen Möglichkeiten zu zeigen, woher Barthel den Most holt.
Indes raucht und scherbelt es im Gebälk und Moses macht sich daran, sein Volk ins gelobte Land zu führen. Der kürzeste Weg führte damals direkt durchs Rote Meer, eine Situation ähnlich der von 2003, als Helge Wittig aus 01326, nahe des Blauen Wunders zu Fuße die Elbe querte. Ob sich das damals mit Moses tatsächlich alles so zugetragen hat, darüber streitet man sich heute noch gern und heftig und wahrscheinlich beschreibt der alte Bronski Beat-Song „It Ain't Necessarily So“ der eigentlich von George Gershwin stammt, die Situation am besten. Na dann, Wasser marsch!
Ray van Zeschau