9. März 2010

Von Zahlungen und 3-D Verstopfungen

aktuelle Probleme der der deutschen Film- und Kinowirtschaft oder warum »#9« nicht ins Kino kommt
Von Zahlungen und 3-D Verstopfungen
Neuigkeiten von der FFA - Filmförderungsanstalt und dem Zahlungsstreit. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg gewährt der UCI vorläufigen Rechtsschutz gegen die Heranziehung zur Filmabgabe. Die Entscheidung ist nach Auskunft eines Gerichtssprechers nicht anfechtbar. Damit hat der Eilantrag der UCI vom März 2009 in der zweiten Instanz Erfolg. Aus Sicht des Oberverwaltungsgerichts stellte die Kinokette ihre Zahlungen an die FFA zu Recht komplett ein. Sollte das Bundesverfassungsgericht jedoch letztlich im Sinne des FFG entscheiden, würden die Ansprüche der FFA auf die nun vorerst nicht geleisteten bzw. künftig zu leistenden Zahlungen wieder »aufleben«. Unmittelbare Folgen für den aktuellen FFA-Haushalt hat der Beschluss nicht, da unter Vorbehalt gezahlte Mittel hierfür ohnehin nicht zur Verfügung stehen. Der Konflikt hat seine Ursachen im anhaltenden Finanzierungsstreit um die FFA. Im Kern berührt der Streit die Frage, inwiefern Kinos mit einem definierten Betrag zur Finanzierung der FFA herangezogen werden und z. B. die TV-Sender insbesondere die gebürenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Anstalten nach eigenem Ermessen abgeben. Partizipieren tun letztlich alle an erfolgreichen Filmen. Denn die Grundlage für den Erfolg legt das Kino. Die Töpfe der FFA speisen sich aus Abgaben von Filmproduzenten und -verleihern, Kinos, Videoanbietern und TV-Sendern. Weil sie die Verteilung der Lasten für ungerecht halten, zahlen einige Kinobetreiber nur unter Vorbehalt ein. Dass der Streit nicht nur theoretischer Natur ist, belegen die aktuellen Auswirkungen auf die Digitalisierung der deutschen Leinwände. Trotz Rekordzahlen 2009, die fast an das Spitzenergebniss von 2004 heranreichen, steht die Frage der Umrüstung auf digitale Kinotechnik, damit auch die 3D-Fähigkeit der Kinos. Im Kinojahr 2009 kletterte der Umsatz deutlich stärker als die Besucherzahlen, was am Boom der dreidimensionalen Filme liegt. Durchschnittlich 3 Euro mehr als für die klassische 2-D-Version zahlen Kinobesucher für ein Ticket in die wundervolle 3D-Welt. Bei »Avatar« z. B. entschieden sich rund drei Viertel der Besucher für diese Version. Aktuell bremst der Erfolg des Films alle nachrückenden 3D-Filme aus, prominentes Opfer diese Woche »#9« (Foto, einem ungewöhnlichen 3D-Animationsfilm über die letzten Tage der Menschheit und neun seltsame Wesen) und natürlich auch potentielle 2D Blockbuster. Aktuell kündigt die UCI Dresden eine zweite 3D-Leinwand für Juni 2010 an. Dank Planungsvorlauf hätte man so die aktuellen Lieferschwierigkeiten umgangen. So könnten für die allein 2010 folgenden 25 stereoskopische Streifen, darunter »Alice im Wunderland«, »Harry Potter« und »Die Konferenz der Tiere« erneut Engpässe entstehen, da bisher erst rund 400 der 4700 deutschen Leinwände 3-D-fähig sind. Aufgrund ungelöster Finanzierungsfragen haben die Kinobetreiber lange gezögert und erst jetzt begonnen, ihre Säle auf die neue Technologie umzurüsten. Rund 120.000 Euro kostet das pro Leinwand. Ein geplantes gemeinsames Finanzierungsmodell von Verleihern, Kinobetreibern und FFA ist vorerst gescheitert. Den Multiplexen fällt es aufgrund der aktuellen Einnahmen natürlich leichter als mittleren und kleinen Häusern. Dank Bundesmittel wird es wohl für kleinere und mittlere Kinos Umrüstungshilfen geben, allgemein wird aber mit einem Ungleichgewicht in der digitalen Umrüstung gerechnet. Auf Grund des aktuellen Streites erklärte Constantin-Vorstand Moszkowicz: "Bei der FFA machen wir uns schon Sorgen. Denn das ist das einzige Solidarsystem, das wir für die Branche haben". Cinestar-Chef Fock rechnet zwar mit einer Einigung: »Ich glaube daran, dass wir das hinkriegen.« Doch vorerst lähmt der FFA-Streit nicht nur die weiteren Digitalisierungspläne, sondern auch die klassische Filmförderung. Und gefährdet so ein Erfolgsrezept, mit dem sich die Film- und Kinobranche besonders gerne schmückt: Mit gut 27 Prozent war der Marktanteil deutscher Filme 2009 so hoch wie noch nie. Möglich machte das die üppige Unterstützung aus den Töpfen der Landesfilmförderungen, des Deutschen Filmförderfonds DFFF - und der FFA.

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