2. Februar 2022

Dokumentarisch-fiktionales Filmmanifest mit Weitblick

Letzte Klappe für Kinoproduktion »Der laute Frühling« gefallen
Dokumentarisch-fiktionales Filmmanifest mit Weitblick
Zum Filmessay »Der laute Frühling« ist die letzte Klappe gefallen. Das dokumentarisch-fiktionales Filmmanifest erzählt von Ursachen und Konsequenzen des menschengemachten Klimawandels und geht einen Schritt weiter: Anhand zahlreicher Interviews, u.a. mit den Klimawissenschaftlern Andreas Malm und Julia Steinberger, wird ein konkreter Fahrplan durch die Krise skizziert. Was kann noch aufgehalten werden und wie können wir die bereits absehbaren Folgen der globalen Erwärmung abfedern?

Regisseurin und Produzentin Johanna Schellhagen stellt die Frage, was zu tun ist, um Barbarei, Chaos und massenhaften Hunger in einer sich möglicherweise entfaltenden Klimakatastrophe einzudämmen.

»Der laute Frühling« soll im zweiten Halbjahr 2022 bundesweit im Kino starten. Umgesetzt wird der Film von labournet.tv. Das Berliner Frauenkollektiv produziert und sammelt Filme über Streiks und Arbeitbedingungen weltweit und stellt sie auf labournet.tv kostenlos zur Verfügung. Dadurch entsteht ein audiovisuelles Archiv aktueller und historischer Arbeitskämpfe, das diese wichtigen Erfahrungen von Solidarität und Organisationsmacht auffindbar macht.

Auf der visuellen Ebene arbeitet »Der laute Frühling« mit einem spannenden Stil-Mix aus Dokumentaraufnahmen und Animationen. Letztere stammen aus der Feder, der erfolgreichen „Graphic Novel“-Zeichnerin Lee Lai, deren Erstlingswerk „Steinfrucht“ 2021 im Avant Verlag auch auf deutsch erschienen ist.


Zum Film: Das dokumentarisch-fiktionales Filmmanifest entwirft ein Zukunftsszenario über den Umgang mit dem Klimawandel. Die Menschen in diesem Szenario beginnen sich in ihrer Nachbarschaft, aber auch regional und international zu organisieren, um sowohl die unmittelbare Versorgung als auch die Ausweitung der Revolution entlang der Produktionsketten sicher zu stellen. Dabei orientiert sich die Filmemacherin am Verlauf unzähliger Massenaufstände und Revolutionen, etwa dem Arabischen Frühling 2011 oder dem Aufstand in Argentinien 2001 und fragt weshalb sie, selbst wenn es ihnen gelang ein paar Regierungen zu stürzen, keine tiefgreifenden Veränderungen gebracht haben. Woher kommt die faktische Macht, eine Gesellschaft zu ändern, wenn sie nicht auf der Straße oder im Parlament liegt?

Mit der Annäherung an diese zentrale Frage leistet der Film einen Debattenbeitrag für aktuelle Diskussionen und macht den Slogan „System Change Not Climate Change“ mit einem fiktionalen Szenario greifbarer.

In der Klimabewegung setzt sich zwar mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass Kapitalismus und Klimaschutz unvereinbar sind, es fehlt aber eine konkrete politische Vorstellung davon, wie wir einen Systemwandel herbeiführen können. »Der laute Frühling« will skizzieren, wie die tiefgreifende Veränderung, die wir brauchen, aussehen könnte.