Eine Krankheit wie ein Gedicht
Es ist wirklich poetisch, was die Regisseurin, Autorin und Fotografin Jelena Ilić mit ihrem Dokumentarfilm »Eine Krankheit wie ein Gedicht« erschaffen hat. Ein schmerzhaftes Gedicht, das die Beziehung zu ihrem Vater nicht nur in Verse, sondern vor allem in Bilder packt. Ilićs Vater hat eine »drogeninduzierte, chronifizierte schizoaffektive Psychose des manischen Formenkreises, Typ polytox, kein Morphintyp« und sitzt deswegen in der Forensik. Die Filmemacherin wünschte, er würde für immer dort bleiben; keine Gefahr für sich und andere darstellen - besonders nicht für sie. Denn da ist eine Angst in ihr, der sie sich in diesem Film stellt.
Die Kamera hilft ihr, ein bisschen Abstand zum Geschehen zu entwickeln. Und am Anfang geht es auch nur ums reine Dokumentieren, nicht ums Filmemachen. Es entwickelt sich nach und nach aber ein Film in Zusammenarbeit mit ihrem Vater, nicht über ihn. Vater und Tochter tauschen ein Skizzenbuch aus, füllen Seite für Seite. Ilić überträgt diese Formensprache auf den Film und lässt damit tief blicken, ohne immer viel sagen zu müssen. So mischen sich Angst, Überforderung und Wut alsbald mit Nähe und Akzeptanz, nehmen einen immer größeren Raum ein und spiegeln die Ambivalenz in der Vater-Tochter-Beziehung - inner- und außerhalb der forensischen Psychiatrie. Ilić sagt, sie habe keinen Weg gefunden, mit der Krankheit des Vaters umzugehen. „Ich habe nur gelernt, neben ihr herzulaufen, anstatt vor ihr wegzurennen.“ Das ist berührend und preisgekrönt. Beim Neiße Filmfestival im Frühjahr erhielt sie etwa die Auszeichnung für den besten Dokumentarfilm, bei der Filmkunstmesse in Leipzig gab es zuletzt den Publikumspreis.
mana
Buch: Jelena Ilić
Regie: Jelena Ilić
Kamera: Martin Paret, Jelena Ilić
Musik: Antonio de Luca, Caroline Kox
Bundesstart: 08.10.2026
Start in Dresden: 08.10.2026
FSK: ab 12 Jahren