Nürnberg
Die Geschichte der Nürnberger Prozesse wurde mehrmals verfilmt. James Vanderbilts neuer Film »Nürnberg« basiert auf Jack El-Hais Buch „Der Nazi und der Psychiater“, das von der Begegnung des Psychologen Douglas Kelley mit dem inhaftierten Reichsmarschall Hermann Göring handelt. Der Psychologe soll den inhaftierten Nazi psychologisch evaluieren, einen der Hauptkriegsverbrecher. Göring ist ein Narzisst, der imstande ist, seine Intelligenz mit starken Charme zu verbinden, einem Charme dem sich Kelley nicht gänzlich entziehen kann. Er schmuggelt sogar Briefe für Görings Frau aus der Zelle. Erst als Kelley Bildmaterial aus den befreiten Konzentrationslagern sieht, blickt er wirklich hinter die Fassade des Reichsmarschalls und versteht, womit er es zu tun hat.
Zum ersten Mal wurden mit den Nürnberger Prozessen führende Repräsentanten eines Staates für ihre Kriegsverbrechen vor einem internationalen Gericht zur Verantwortung gezogen. Die Geburtsstunde des heutigen Völkerstrafrechts war damals politisch nicht unumstritten, die Weltöffentlichkeit musste erst überzeugt werden. Regisseur James Vanderbilt nutzt für seine Inszenierung im Gegensatz zu Filmen wie wie »The Zone Of Interest« echtes Archivbildmaterial aus den Lagern. Die minutenlangen Aufnahmen sind schwer auszuhalten, doch in seinem Konzept unverzichtbar, um das Ausmaß der Schreckenstaten deutlich zu machen. Dramaturgisch markiert diese Sichtung auch den Turning Point für Kelley. Russell Crowe als Göring und Rami Malek als Psychologe liefern sich ein ungewöhnliches Duell und verleihen dem als eher klassisches historisches Drama angelegtem Film durch ihr Zusammenspiel besondere Intensität.
Grit Dora
Buch: James Vanderbilt Jack El-Hai
Regie: James Vanderbilt
Darsteller: Russell Crowe, Rami Malek, Leo Woodall, John Slattery, Mark O'Brien, Richard E. Grant, Michael Shannon, Colin Hanks, Andreas Pietschmann, Peter Jordan
Kamera: Dariusz Wolski
Musik: Brian Tyler
Bundesstart: 07.05.2026
Start in Dresden: 07.05.2026