My Soul to Take

Horror, USA 2010, 107 min

Irgendwie habe ich den Eindruck, der olle Wes gibt mit »My Soul to Take« so bisschen den Bernd Aust des Horrorfilms. Wobei allerdings Wes Craven ohne Friedrich Murnau vorstellbar ist, aber Bernd Aust nicht ohne Ian Anderson. Na, jedenfalls scheint Mr. Craven den Übergang in ein neues Jahrzehnt nicht ganz überstanden zu haben und hat mal eben seine ganzen Hits in einen Mixer gesteckt um am Ende zu sehen, ob dabei nicht was Neues rauskommt. Fazit: »My Soul to Take« wirkt, als wäre des Meisters Mixer im Eimer, allein ist ihm auch nix mehr eingefallen, der Vertrag aber offensichtlich schon in der Tasche und kein Weg zurück. So schaltet der Regisseur auf Autopilot und lässt mal bisschen lustlos die Kamera surren und die Schneideschere klappern. Ein bisschen „Freddy“ da, eine Prise „Shocker“ dort und ein Klecks »Scream« hier. Dazu nehme man einen übersinnlichen toten Mörder, eine tumbe amerikanische Kleinstadt, ein paar tröge und charakterlose amerikanische Jugendliche, sieben an der Zahl natürlich, sowie eine haltlose Geschichte wie eine Kleckerburg am Ostseestrand. Wie schon einst Freddy im Örtchen Springwood tobte sich ein anderer Serienkiller im sehr ähnlichen Riverton aus, bis ihn die Polizei zur Strecke brachte… oder auch nicht so richtig… oder wie oder was? Na, jedenfalls wurde sein Korpus nie gefunden. Doch der Niedergestreckte schwor seiner Zeit eines Tages zurückzukehren und die Kinder heimzusuchen, die in der Nacht seines quasi Ablebens geboren wurden. Eins zwei Freddy kommt vorbei. Das sind dann für eine Kleinstadt immerhin sieben an der Zahl. Sixteen years later, wie man in Riverton zu sagen pflegt, treffen sich abends die jungen Leute zu ihrer Geburtstagsfeier am Seeufer. In einem scherzhaften Ritual muss einer von ihnen einen anderen in Ripperklamotten Gewandeten mit einem Bann belegen. Da taucht plötzlich die Police auf und alle schlagen sich fix in die Büsche. Na ja und Nachtigall ick hör dir trapsen, nu geht’s lous! Der erste Teilnehmer taucht natürlich nicht mehr auf und die anderen sechs können jetzt auch nicht mehr auf ihren 17. hoffen. Zu allem Tohuwabohu kommt noch hinzu, dass der offensichtlich wieder auferstandene Ripper neben seiner seltsamen Schlumpidreadlockästhetik auch noch zwischen den jungen Leuten irgendwie herumswitchen kann. Ach Herr Gott, ja, einen Sohn hat der Gedungene wie einst Herr Krueger auch, dem nun der ganze familiäre Schlamassel an der Backe und im Hirn heftet. Neben den jungen Menschen weiß mittlerweile auch der Zuschauer nicht mehr so richtig, wo Barthel hier den Most holt. Da der Film nicht einmal durch hervorragende Meuchelszenen zu erschaudern weiß, versuchte man rasch noch in aller Verzweiflung das Werk mit einer 3D-Konvertierung zu überkleistern, was das Ergebnis vollends der Lächerlichkeit preisgibt. Man, Wes, reiß Dich mal zusammen!
Ray van Zeschau