Das Kabinett des Dr. Parnassus

Fantasy, Frankreich/Kanada/Großbritannien 2009, 122 min

Nun ist endlich soweit, der Vorhang geht auf für Heath Ledgers letzte Rolle in Terry Gilliams neuestem Film. Welcher keinen geringeren Plot umreißt als eine Faustsche Wette zwischen Doktor Parnassus (Christopher Plummer, 80-jährig) und Mr. Nick (Tom Waits, 60-jährig) und der beinahe (wie schon »The Man Who Killed Don Quixote«) in einem unvollendeten Projekt geendet wäre, als es dem 28-jährigen Ledger im Januar 2008 nicht gelang, von des Teufels Schippe zu springen. Doch der visionäre Gilliam ließ sich neu inspirieren und erfolgreich überreden, den Verlust seines Hauptdarstellers mit einem Jahrmarktstrick zu kaschieren. In der Rolle des jungen Tony, dem es obliegt, das Leben von Parnassus' Tochter Valentina zu retten, treten nacheinander Heath Ledger, Colin Farrell, Jude Law und Johnny Depp auf. Tony hängt kopfüber unter einer Themsebrücke und kommt wie gerufen, als dem reisenden Variete-Veteran Parnassus vom ungeduldig gewordenen Teufel das Begleichen seiner Wettschulden ans Herz gelegt wird. Ewige Jugend des Vaters gegen das Leben der Tochter. Tony vermag kraft seiner mysteriös-charmanten Erscheinung das laue Geschäft der Wanderbühne anzukurbeln. Die gutbetuchte Londoner Damenwelt rennt den Gauklern bald die Bude ein, um durch Parnassus' magischen Spiegel zu treten, der einen ins Land seiner Wünsche und Laster gelangen lässt. Und Publikum kann Parnassus nicht genug haben, denn es gilt binnen dreier Tage fünf Seelen zu gewinnen, sonst feiert Valentina ihren sechzehnten Geburtstag schlussendlich doch in der Hölle. Als Schauplatz für diese Geschichte entwarf Terry Gilliam das von Pferden gezogene Imaginerium, eine Art Schaubudensommer auf Rädern, welches auf's Fantastischste inspiriert ist von Pollocks viktorianischen Spielzeugtheatern und mitten im London des 21. Jahrhunderts so deplatziert wirkt wie knarrendes Blechspielzeug zwischen funkelnden i-pods. Und während alle Welt auf streichholzschachtelgroße Displays starrt, ereignen sich Dinge von größter Verwunderung auf den Straßen unserer Städte…