Gran Torino

Drama, USA 2008, 116 min

Genauso würde er aussehen, der Wunsch-Opa aller patriotischen Amerikaner, hoch gewachsen, gut bewaffnet und schlecht gelaunt. Ein pensionierter und ewig nörgelnder Dirty Harry. Mit einem Häuschen irgendwo im Speckgürtel von Detroit (das obligate Sternenbanner an der Veranda), mit einem liebevoll aufgemöbelten Gran Torino Sport Baujahr 72 in der Garage und mit zwei recht beflissenen Kindern, die ihren Oldie am liebsten hinter Schloss und Riegel eines Seniorenheimes wüssten. Walt Kowalski hat sein Leben lang bei Ford gearbeitet und muss nun zusehen, wie alles den Bach runter geht. Die Nachbarschaft verkommt, die Betriebe müssen schließen und jeder verdammte Schraubenzieher stammt aus Asien. Genau wie diese ganzen Leute in seiner Straße. Alles Abschaum. Wie dieser Nachbarsjunge Thao, der eines Nachts von einer der Jugendbanden im Viertel gezwungen wird, Kowalskis Gran Torino zu klauen. Das geht gründlich schief. Denn was wissen die Kids schon über Schlafstörungen im Alter und über Dirty Walts Vergangenheit bei den Marines. Rein gar nichts. Aber Clint Eastwood hat seinen neuen Film auch angelegt als Lehrstück. Und offensichtlich lag ihm viel daran zu zeigen, dass hier beide Parteien etwas voneinander lernen können. Und müssen. Jedenfalls hat sich der 78-jährige Star mit einer Handvoll namenloser Jugendlicher umgeben und der Geschichte noch ein paar Lektionen hinzugefügt. Auch für den alten Kowalski. Diese Jugendbande ist fast das kleinere Übel, denn am nächsten Tag geht der eigentliche Ärger erst richtig los. Von seinen Nachbarn gefeiert als Held des Viertels, der die Bande vertrieben und Thao das Leben gerettet hat, stürmen diese fremden Menschen auf ihn los. Mit Geschenken und Einladungen. Und mit Blumen sowie mit der Bitte, dass Thao jetzt jeden Tag in sein Haus kommen müsse und seine Schuld bei Kowalski abarbeiten solle. Ein Albtraum für den grantigen, alten Kerl.
W. Larsen