Letters From Iwo Jima

Drama/Kriegsfilm, USA 2006, 141 min

Vor 62 Jahren trafen amerikanische und japanische Truppen auf der Insel Iwo Jima aufeinander, die im zweiten Weltkrieg ein wichtiger strategischer Vorposten zum japanischen Festland darstellte. Das wohl bekannteste Zeitdokument dazu ist das Foto von Joe Rosenthal, welches sechs US-Soldaten zeigt, die das Banner der Vereinigten Staaten auf dem Vulkan Suribachi mit vereinten Kräften gen Himmel richten. 62 Jahre später dreht Regisseur Clint Eastwood zwei Filme, die uns an Hand von Aufzeichnungen und Berichten Überlebender und noch lebender Amerikaner und Japaner die Wahrheit nicht nur einer Nation zeigen, welche menschlichen Schicksale und Tragödien hinter der größten und wohl aufopferungsvollsten Schlacht im Pazifik des zweiten Weltkrieges stehen. Das Besondere an Eastwoods Werken ist aber halt, dass er, nicht nur wie sonst üblich, die eine Seite der Medaille uns vor Augen führt, sondern ein und dieselbe Schlacht zweimal in je einem Film erzählt. Wo »Flags Of Our Fathers« das amerikanische Drama widerspiegelt, ist nun »Letters From Iwo Jima« die wohl bisher fast unbekannte Geschichte hinter den 21000 japanischen Soldaten, die aus Sicht ihres kulturellen Hintergrundes und in ihrer Sprache erzählt wird. Erst Jahrzehnte später fand man Hunderte von Briefen in der schwarzen Vulkanerde der Insel, Briefe, die nie ihre Verwandten erreichten, Briefe, die die Ängste, Verzweiflung und Hoffnungen der japanischen Soldaten dokumentierten, denen fast allen gewiss war, dass sie diese Schlacht nie gewinnen und überleben werden. Trotz dieser Gewissheit setzten sie unter Befehlshaber Tadamichi Kuribayashi alles daran, die Amerikaner schwer bezahlen zu lassen. Die Eroberung der nur 21 qkm großen Insel dauerte vom 19. Februar bis 26.März 1945. Nur ca.1000 Japaner überleben das Gemetzel, davon gehen wiederum aber nur 216 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Clint Eastwood zeigt uns aber nicht nur in beeindruckender und sensibler Weise, dass die Schlacht um Iwo Jima eine militärische Auseinandersetzung war, sonder auch ein Aufeinanderprallen zweier Kulturen.
Ray van Zeschau