Mit leiser Stimme
Die in Paris lebende Lilia reist in ihr Geburtsland Tunesien, um ihren Onkel Daly zu beerdigen. Begleitet wird sie von ihrer Lebensgefährtin Alice, die aber nicht im tunesischen Familienwohnsitz, sondern in einem nahegelegenen Hotel unterkommt. Selbst Lilias Mutter ahnt nämlich nichts von der lesbischen Beziehung ihrer Tochter, mit der sie nicht nur Schande über ihre Familie bringen würde, sondern die in Tunesien sogar unter Strafe steht. Als Lilia während der mehrtägigen Trauerfeier erfährt, dass ihr Onkel unter rätselhaften Umständen ums Leben gekommen ist, beginnt sie, eigene Nachforschungen anzustellen. Sie ist es leid, sich vom familiären Versteckspiel demütigen zu lassen, und dringt immer tiefer in die queere Subkultur Tunesiens und damit in ein Netz aus Geheimnissen ein, das nicht nur ihre Familie, sondern die ganze Gesellschaft umspannt. Die Geister der Vergangenheit weisen ihr dabei mit leiser Stimme den Weg.
Sousse, 160 km südlich von Tunis. Wer sich hier zu seiner Homosexualität bekennt, riskiert nach Artikel 230 des Strafgesetzbuchs demütigende ärztliche Untersuchungen sowie mehrjährige Haftstrafen. Das Netz aus Geheimnissen, das nicht nur die Familie der lesbischen Protagonistin Lilia, sondern die ganze tunesische Gesellschaft umspannt, durchbricht Bouzid mit einem mutigen, meisterhaft inszenierten und hochgradig berührenden Film – gegen das Schweigen und für eine bessere Zukunft.
Regie: Leyla Bouzid
Darsteller: Eya Bouteraa, Hiam Abbass, Marion Barbeau, Feriel Chamari
Bundesstart: 09.07.2026
Start in Dresden: