Der Frosch und das Wasser

Roadmovie, Deutschland 2026, 113 min

Stefan Busch lebt ein behütetes, aber eintöniges Leben in einer betreuten Wohngemeinschaft. Obwohl er Wasser liebt, darf er nicht einmal mit in die Schwimmhalle, kein Wunder also, dass er sich abseilt, als sich eine Gelegenheit bietet. Buschi reiht sich, halb zufällig, halb absichtsvoll in eine Gruppe japanischer Touristen ein, besteigt deren Reisebus und kommt damit eine ganze Weile durch. Obwohl er normalerweise die Kommunikation per Sprache verweigert und eh kein Japanisch kennt, schafft Buschi es, mit Unterstützung der freundlichen Mitreisenden und der Busfahrerin (Meltem Kaptan) ein Stück Welt zu entdecken. Verfolgt von seiner besorgten Betreuerin, aber mit gewitzt ausgenutztem Vorsprung, erlebt er den Beginn einer vorsichtigen Freundschaft mit dem Japaner Hideo Kitamura (Kanji Tsuda). Der hat vor kurzem seinen Bruder verloren und sieht in Buschi, der ihm unentwegt folgt, bald einen neuen Seelengefährten. Gemeinsam hauen sie ab, doch Buschis Betreuerin bleibt ihnen auf den Fersen.
Wer Thomas Stubers Durchbruch »In den Gängen« (2018) und den Nachfolger »Die stillen Trabanten« (2022), beide nach Stories von Clemens Meyer, gesehen hat, weiß, dass des Regisseurs besonderes Augenmerk zumeist Figuren gilt, die im Abseits stehen, Menschen, die wenig wahrgenommen und wertgeschätzt werden, ihren unspektakulären Alltäglichkeiten und Problemen. In seinem neuen Film, der die Konstellation von Barry Levinsons Klassiker »Rain Man« (1988) und Hanno Olderdissen »Ganzer Halber Bruder« (2025) aufgreift, gönnt er sich und seinem Protagonisten einen Ausflug in fast märchenhafte Gefilde. Thomas Stuber zeigt in diesem sehr sanften Selbstermächtigungsfilm die Welt nicht wie sie ist, sondern wie sie sein könnte - oder sollte.
Grit Dora