TRAILER

Ennio Morricone - Der Maestro

Dokumentation/Biographie, Italien/Belgien/Niederlande/Japan 2021, 163 min

Musik ist die Essenz allen Lebens. Zu etwas Gültigerem, Umfassenderem und Schönerem wird der Mensch wohl nicht fähig sein. Allein die Tatsache, dass der italienische Komponist Ennio Morricone in das jugendliche Hirn des hier um Worte Ringenden 1981 eine klagende Mundharmonika, ein pfeifendes Banjo und eine singende Violine einbaute, die dort seither ein munteres Eigenleben führen, grenzt an Zauberei. Und weil der am 6.7. 2020 verstorbene Italiener hauptsächlich im Filmgeschäft tätig war, gesellten sich zu den drei Gesichtern von Cardinale, Bronson und Robards noch viele andere. Michel Piccoli und Romy Schneider füllen eine Wanne mit Säure, Terence Hill und Henry Fonda treffen auf die Wilde Horde, Robert De Niro rührt in einer Kaffeetasse, Jeremy Irons' Mission scheitert blutig, Joan Baez beklagt einen doppelten Justizmord und Gérard Depardieu die Ermordung eines ganzen Jahrhunderts. Und nicht zuletzt bringt Philippe Noiret dem kleinen Toto das Filmevorführen bei. Mit eben diesem »Cinema Paradiso«, dem zweiten Kinofilm von Giuseppe Tornatore, beginnt eine 32 Jahre währende, exklusive Zusammenarbeit, die nun mit dem vorliegenden Dokumentarfilm einen grandiosen Abschluss findet. Damit tritt sie aus dem Schatten jener 20 Jahre, welche Ennio Morricone künstlerisch mit Sergio Leone verbinden, ins Licht. Vor allem ins Licht der Leinwand, wohin sie gehört. Diese unglaubliche Geschichte. Wo sich zwei Schulfreunde wiederfinden, die eine Woody Guthrie Vertonung erfolgreich recyceln, und wo sich der eine bei all dem nur langsam frei machen kann von dem Schuldgefühl, als Musiker etwas Falsches, Verwerfliches Unmoralisches zu tun und so in den folgenden Jahren die aufgeladene Schuld umschreiben will in Noten. Noten, die für immer einer musikalischen Buße gleichkommen. (Was für ein Drehbuch!) Die Geschichte endet fast mit der peinlichsten Buße Hollywoods, dem Ehren-OSCAR für den lange Ignorierten. Doch dann erfüllt sich Quentin Tarantino noch einen Lebenstraum… Und während sich Clint Eastwood genüsslich seine Zigarre anzündet, wische ich mir mal die Pipi aus den Augen.
alpa kino