Der Stadtneurotiker

Komödie, USA 1977, 93 min

Woody Allen erfand 1977 die drehbuchgestützte Psychoanalyse mit verteilten Rollen. Und er benannte sie folgerichtig auch gleich nach dem Lustobjekt seines von Midlifecrisis und Scheidung geplagten Patienten, nämlich Annie Hall (zu deutsch: Der Stadtneurotiker); Annie Hall ist Alvy Singers attraktive und mehr und mehr emanzipierte Fast-Ex. Der New Yorker Komiker Alvy Singer, der - aufgewachsen in einem Einfamilienhaus unter einer Achterbahn - schon seit der Kindheit von fatalistischem Gedankengut besessen, überall nur noch Bedrohung und Feindseligkeit sieht, hat vor nichts und niemandem solche Angst wie vor dem weiblichen Geschlecht. Allenfalls noch vor Menschen, die sich Filme im Kino anschauen und dabei den Vorspann absichtlich verpassen. Doch muss er solche ignoranten Kunstbanausen nicht heiraten. Bei Annie Hall liegen die Dinge anders. Es drängt ihn zum Altar. Doch sie stammt aus einer wohlhabenden Familie, in der nicht nur die Großmutter keine Juden mag und versteht obendrein nicht, wieso der sexbesessene Neurotiker den Tod als ein sehr wichtiges Ereignis im Leben betrachtet. Das mit den beiden geht natürlich schief. Aber so göttlich schön, dass Woody Allen für diesen Film nicht bloß mit vier OSCARS bedacht wurde, sondern auch den Grundstein zu einer anhaltenden Neurotiker-Film-Karriere legte, deren aktuellste Version gerade in die Kinos kam.