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Meine schöne innere Sonne

Komödie/Drama, Frankreich 2017, 95 min

Paris, das Leben, die Liebe: Isabelle (Juliette Binoche), eine erfolgreiche Künstlerin, hat keine Lust mehr auf das Single-Dasein. Es ist kein Problem für sie, interessante Männer kennenzulernen, sie ist mit über 50 Jahren rasend attraktiv und auf der Höhe ihrer Ausstrahlung. Die sehr verschiedenen Männer (ein Banker, ein Schauspieler, ein Arbeiter, ein Galerist) sind fasziniert von Isabelles Stärke und Geradlinigkeit, aber noch mehr verunsichert und ausweichend. Hilfe, eine unabhängige Frau! Das scheint doch sehr riskant: Liebe, das heiße Ding, an dem man sich so blöd verbrennen kann. Rückzug in verbraucht-gewohnte Verhältnisse bleibt da immer die sicherste Sache. Scheitert Isabelle an ihrer eigenen Stärke, an ihren Ansprüchen oder sind die Männer softe Dreckskerle? Denn wirklich bösartig ist hier keiner. Auf der maskulinen Seite herrschen reichlich Hilflosigkeit und viel zu viel Korrektheit. Als Isabelle nicht mehr weiter weiß, geht sie zu einem Wahrsager (Gerard Depardieu). Kann ja sein, dass so einer mehr Draufsicht hat. Wuchtig in sich ruhend und entspannt das Pendel schwingend, ist da mal ein Mann, der mit liebevoll-klaren Worten durch die phasenweise unerträgliche Leichtigkeit des Seins hilft.
In jeder Einstellung ist zu spüren, dass Regisseurin Claire Denis in Juliette Binoche ein perfektes Alter Ego gefunden hat, um sich sehr persönlich über die Rolle von Frauen in exponierten Positionen und deren Auswirkungen auf Liebesbeziehungen und privates Glück zu äußern. Juliette Binoche spielt denn auch nicht die Rolle der autarken Künstlerin - sie ist Isabelle. Innerhalb der gut aufgestellten Herrenriege gelingt es Nicolas Duvauchelle am brillantesten, männliche Überforderung durch weibliche Stärke zu zeigen.
»Meine schöne innere Sonne - Isabelle und ihre Liebhaber« (der verschwurbelte Titel ist das einzige Manko des Filmes) ist eine raffinierte Komödie, die ohne jegliche Schenkelklopfer auskommt.
Grit Dora