Originalfassung
TRAILER

The Gentlemen

Action/Kriminalfilm, USA 2020, 114 min

Meine sehr geehrten Damen und Herren*Innen, beim letzten Ton des Zeitzeichens war es Punkt 13:07 Uhr und ich gebe an mich in die Londoner Kinoredaktionszweigstelle. Liebe Freunde, wenn ich an Guy Ritchie denke in der Nacht, fallen mir in erster Linie zwei Dinge ein. Erstens natürlich seine, wie das Adverb Eingangs bereits andeutet, Erstwerke »Bube, Dame, König, grAS« und »Snatch - Schweine und Diamanten«, die dicht gefolgt werden von, natürlich seiner Ehe mit Madonna, die für ihn in einer warmen Abfindung von 55,6 Millionen bis 66,7 Millionen Euro endete. So kann man sich doch mal gepflegt unabhängig seinen künstlerischen Projekten widmen. Nun also Film Number Ten. Nach einer Dekade in Hollywood, die man als nicht ganz so prall bezeichnen kann, kehrt Guy Ritchie mit diesem gepflegten Alt-Herren-Krimi zu seinen groben Gangster-Wurzeln zurück nach Good Old Brexit England und wie immer mit einer ansehnlich und gerüttelt Maß an Akteuren, die das Treiben gewohnt noch mehr in den Wahnsinn treiben. Der Exil-Ami Mickey Pearson (Matthew McConaughey) hat sich über die Jahre (also nicht über Silvester) ein millionenfettes Cannabis-Imperium im british Ländle aufgebaut und vertreibt die feinsten Stöfflichkeiten nach ganz Europa. Doch Mickey möchte, wie viele seiner ähnlich gelagerten Filmcharaktere, seinen vom Gesetz nicht so hoch angesehen Lebensentwurf aufgeben, um endlich mehr Zeit mit seiner Frau Rosalind verbringen zu können und auf gesetzlichem Wege das Leben in der Londoner Hochgesellschaft zu genießen. Also heißt es, die feine hochbetuchte Stofffirma mit den gut versteckten und über das ganze Land verteilten Grundstücken für 400 Millionen Dollar an eine hochvalide Person zu vertickern. Da so eine Nummer natürlich nicht unter der feinstöfflichen Decke bleibt, hört bald die halbe Londoner Unterwelt die Nachtigall ordentlich trapsen. Allesamt wittern die großen Boleros und ihre Chance, Mickey endlich eine reinzudrehen. So hat nicht nur Mickey, sondern vor allem seine rechte Hand Ray (Charlie Hunnam) alle Hände voll zu tun, sich Triaden-Boss Lord George (Tom Wu), den durchgeknallten Emporkömmling Dry Eye (Henry Golding), sowie den schmierigen Privatdetektiv Fletcher (Hugh Grant) und noch ein paar andere gedungene Dümpflinge von der Backe zu halten. Man könnte sogar so weit gehen anzudeuten, dass es dramaturgisch gesehen fast schon zu viele Teilnehmer gibt, die da mit ihren Kuchengabeln herumfuchteln. Aber Ensemble-Besetzungen waren schon immer Guy Ritchies Sache. Also hängt auch hier bald die Lippe, während obere und untere Zahnleisten zerbröselt werden. Hier wird geboxt und entleibt, dass man nur so jauchzen möchte. Schönes Ding, wie Herr Krabbe sagen würde und gern erinnere ich mich an die Neustadt-Zeiten zurück, als der ABV noch mit auf dem Rücken verschränkten Armen an auf diversen Brachen wachsenden Hanfgewächsen vorbeischritt und der Besuchswessi nicht schlecht aus der Wäsche guggte.

Ray Van Zeschau (ehemaliger Schwarzer Sachsenwerker-Konsument)