Restless

Drama, USA 2011, 91 min

Den Tod fürchtet niemand so sehr wie die (Über)Lebenden. Der junge Enouch wurde von dieser Erkenntnis völlig unvorbereitet getroffen, lag er doch nach dem Autounfall, bei dem seine Eltern starben, drei Monate im Koma. Zurück im Leben, findet er sich aus der Bahn geworfen. Doch das Bild scheint viel zu milde, im Gegenteil, Regisseur Gus van Sant und sein Team tauchen die Leinwand ganz mächtig in zerrissene Trauer. Sah man denn je ein solch schönes Bild der Hoffnungslosigkeit, wie das des auf der Straße liegenden Enouch? Mit einem Kreidestrich sucht er sich vom Leben abzutrennen, teilt sein Weh und Ach in Gesprächen mit Hiroshi, dem Geist eines japanischen Soldaten, geht auf Beerdigungen, wie einst der junge Harold, und trifft ebendort wie der eine verwandte Seele. Ausgerechnet Annabel, die ihn retten könnte aus seiner Trauer, die selbst den freundlichen Geist noch mit Herzensgüte beschämt und die Enouch natürlich gehörig den Kopf verdreht, wird innerhalb der nächsten drei Monate sterben. Gehirntumor lautet die Diagnose, also bleibt den Beiden (oder besser, den Dreien) nicht viel Zeit, sich jeden Tag ein wenig Glück zu stehlen beim großen Besenkehrer. Von seiner Schippe springen können sie ja doch nicht. Also ziehen sie umher, rastlos, aber jeden Morgen glücklich noch am Leben zu sein, und lassen nichts an sich heran, das nicht schön wäre, tröstend und jawohl, harmonisch. Auch wenn die Bilder es tunlichst vermeiden, Annabels Krankheit in den Vordergrund zu rücken, klingt das Unabänderbare aus jedem Lachen und sticht hervor aus den Blicken von Mia Wasikowska. Der Tod kommt nie zum richtigen Zeitpunkt. Man kann es drehen und wenden, wie man will. Enouch bleibt keine Wahl, er muss sich trauen, Annabel zu lieben, will er nicht gleichzeitig mit ihr sterben. Annabel zu lieben bedeutet das Leben zu lieben, wie sie es tut. Und das Leben liebt niemand so sehr wie die Sterbenden.