Sherlock Holmes: Spiel im Schatten

Action, USA 2011, 128 min

Nun, zum zweiten Male nimmt sich Guy Ritchie Arthur Conan Doyles »Sherlock Holmes« zur Brust und inszeniert die Detektivstory wieder mit Robert Downey Jr. und Jude Law im Gewande des ausgehenden 19. Jahrhunderts plus einer gehörigen Portion zeitgenössischen Actionkinos, die mit einer gepflegten Prise Steampunkattitüde daher kommt. Ritchie hält sich dabei locker lose an Holmes letzten Fall „The Final Problem“, in dem Doyle Holmes in die ewigen Jagdgründe bzw. auf den Grund des Reichenbachfalls schickte, da ihm das Schreiben zu aufwendig geworden war. Sein letztes Problem ist nun der österreichische Kronprinz, der tot aufgefunden wird und von dem Inspector Lestrade glaubt, dass er sich selber entleibt hat. Da aber Holmes, zu mindest literarisch, der erste Profiler ist, erkennt er rasch, dass die Wahrheit eine andere ist und hinter einem offensichtlich grausligen Komplott, welches nicht mit meinem Nachtisch bei der Schulspeisung in den 70ern zu verwechseln ist, Professor Moriarty (Jared Harris) steckt, der neben seiner hohen Intelligenz, das selbige Maß an Bösartigkeit zu bieten hat. Auf der Suche nach dem ausgebufften Verbrecher lernt Holmes die Hellseherin Sim (Noomi Rapace) kennen, die offenbar mehr weiß, als sie gegenüber unserem taffen Protagonisten preisgibt. Erst als Holmes sie kurzfristig vor einem gedungenen Mörder rettet, ist Sim bereit, aus ihrer schnuckligen Sewing Box zu plaudern. Was dann folgt, entspricht wieder der Originalstory von 1893 und scheint all die später folgenden James Bond-Filme vorweg zu nehmen. Es beginnt die allseits beliebte Jagd durch ganz Europa, bei der Herr Moriarty unserem Helden immer einen Schritt voraus zu seien scheint. Falls es Holmes und Dr. Watson nicht gelingen sollte, den Professor mit dem ähnlich klingenden Mohrennamen zu stoppen, könnte die gesamte Geschichte der Menschheit in eine unangenehme Bahn gelenkt werden. So also kommt es zum vom Dichter beschriebenen Showdown, wo Professor Moriarty und Sherlock Holmes bei einem Mann-zu-Mann-Gefecht den von mir vorhin erwähnten 300 Meter hohen Reichenbachfall in der gepflegt neutralen Schweiz hinabstürzen. Aber schon Arthur Conan Doyle war so clever, Sherlock Holmes Leiche nie finden zu lassen, so dass es jetzt heißt, die Verträge für Teil drei sind schon unterschrieben, obwohl der Literat dafür keine Vorlage lieferte. Wenn das kein Kult ist, weiß ich auch nicht weiter!
Ray van Zeschau