Zeiten ändern dich

Drama/Biographie, Deutschland 2010, 94 min

Ja und wie. In den 50ern erschrak die Erwachsenenwelt über den Teufel Rock´n´Roll. Heute bin ich erwachsen und erschrecke über Rapmusik. Einziges Problem, Rap hat außer beinhaltendem Rhythmus nicht viel mit Musik zu tun. Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb weitaus mehr dumme junge Menschen sich im Rap versuchen als im Rock´n´Roll und vielleicht auch ein Grund, warum es aus der rappenden deutschen Masse dann doch auch zwei drei Teilnehmer mal an die Spitze der Charts schaffen. Einer davon ist Bushido, der offensichtlich den tump aggressiven Nerv einer breiten vor sich hin pubertierenden deutschen Jugend getroffen zu haben scheint. Auch kein Wunder bei einer deutschen Erwachsenenführung, die es immer besser versteht, echte Probleme hinter verharmlosenden Wort- und Satzkreationen zu verklausulieren. Da mag es den einen oder anderen dann doch schon mal angenehm in den Ohren klingen, wenn es mal inhaltlich total ordentlich auf die Fresse gibt. … wollt Ihr die totale Fresse? Klar wollen das 86 Prozent der Bevölkerung und die wollen noch ganz andere Sachen. Das Volk will auch Michael Wendler, Peter Maffay und solche Filme wie »Zeiten ändern dich«.
Da das Volk die Mehrheit bildet, Bushido mit seiner Autobiographie wie schon zuvor Papst Benedikt XVI auf Platz 1 der Bestsellerliste in der Kategorie Sachbücher rangierte und es im Gegensatz zum Papstbuch ordentlich auf die Fresse gibt, musste das natürlich verfilmt werden. Was bekommen wir also zu sehen? In erster Linie auf die Fresse! Wenn wir dann als junger Mensch mit Migrationshintergrund (Außengeländer mit was dahinter) all diesen Scheiß verarbeiten, in Verse packen, ein bisgen Frauen (außer Mutti) und Schwule beleidigen und noch irgendeinen geklauten Beat drüberkloppen, kann es ein junger Mann in unserem Land schon mal zum Millionär bringen. Wenn dann all dies geschafft ist, kann man sich auch schon mal wie Bushido umdrehen und sagen: Meine Fresse!
Tja, Zeiten ändern Dich und man bekommt graue Haare am Sack. Aber mein Teddy von 1965 heißt immer noch Buschi.
Ray van Zeschau (ehem. Gastinterpret auf einer Rap-CD)