Vielleicht, vielleicht auch nicht

Komödie, Großbritannien 2008, 112 min

Was unterscheidet romantische Komödien von Pornos? Richtig, in romantischen Komödien wird geredet! Ansonsten ist doch fast alles gleich: die Damen sind hübsch, die Herren mehr oder weniger nur hinter der Frau her, die Story lässt sich in zwei Sätze fassen, man hat meistens was zu lachen und weiß fünf Minuten nach dem Anfang schon, wie es ausgehen wird. Da stellt sich einem doch die Frage, warum nicht mehr Männer romantische Komödien schauen, zumal man diese bei Besuch im heimischen DVD Regal auch in der ersten Reihe stehen lassen kann. Die Antwort mag eventuell am oben benannten Unterschied liegen: es wird zu viel geredet. Dabei stört weniger die Tatsache, dass geredet wird, sondern der Inhalt dieses Geschwätzes. Schmalz und Vorhersehbarkeit ohne Ende! Was ist denn so schwer, das Wort „Romantik“ filmisch getrennt von den All-Time-Favourites „Kitsch“ und „Klischee“ zu behandeln, einfach mal ein neues Genre zu gründen, „Romantische Kömidie - für Männer“? Gibt es denn schon einen Film, der in die Richtung geht? Nun ja, ich sag mal „vielleicht, vielleicht auch nicht“. Denn wie toll ist das denn, man erlebt nicht den Anfang der Liebesbeziehung sondern das Ende. Will Hayes (Ryan „Party Animal“ Reynolds) steht kurz davor, sich scheiden zu lassen. Seine zehnjährige Tochter Maya ist ratlos und stellt Fragen. Eine davon, wie ihr Vater denn ihre Mutter kennen gelernt hat. Und schon beginnt die Geschichte eines fünfzehn Jahre jüngeren Will, der die Provinz verließ, um in New York Großes zu leisten. Nur ist New York bekanntermaßen recht groß und das Damenaufkommen ebenfalls. Da ist es an Maya zu erraten, welche von Daddys Freundinnen ihre Mutter ist. Kandidatinnen sind der liberale Rotschopf April (Isla Fisher), die ambitionierte Journalistin Summer (Rachel Weisz) oder Wills Jugendliebe Emily (Elizabeth Banks). Frauen werden den Film aufgrund seiner sympathischen Charaktere und der netten Geschichten lieben, doch was diesen Film für Männer interessanter macht als den Rest der rosa-roten RomCom-Suppe, ist allein dies: Es geht nicht um die Eroberung der einen. Es geht darum, die Auswahl zu haben.
Julio Espin