The Queen

Historienfilm, Großbritannien 2006, 104 min

»Die Queen« zeigt ein sehr komplexes und kontroverses Thema auf. Die formelle altmodische Welt der Royals in ihrer schottischen Zuflucht Balmoral und im Buckingham Palast wird dem lässigen, modernen und gerade gewählten Premierminister Tony Blair und seinen aalglatten imagebewussten Männern gegenübergestellt.
Wir schreiben den 1. September 1997. Die Nachrichten berichten, dass die wohl bekannteste Frau der Welt, die Ex-Gattin des englischen Thronfolgers Prinzessin Diana bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Die Menschen rund um den Erdball sind geschockt.
Die Royals verharren stoisch auf ihrem schottischen Landsitz und sind unfähig, angemessen auf das Ereignis zu reagieren. Das Hofprotokoll sieht vor, dass öffentliche Emotionen tabu sind. Die Queen (Helen Mirren) befindet, Dianas Tod als Privatsache zu behandeln, immerhin ist sie auch nicht mehr Mitglied der königlichen Familie gewesen. Kurze Zeit später watet die Wache durch ein knietiefes Blumenmeer vor dem Palast. Der sehr beliebte Blair (Michael Sheen) erfasst die Situation sofort, ist aber hin- und hergerissen zwischen politischem Ehrgeiz und der persönlichen Hochachtung vor der Monarchin. Sie ist schwer genervt von den Ratschlägen ihres Jungspund-Premiers einerseits und der Willensschwäche ihres Sohnes und ihres Mannes andererseits. Eine solche Woge der Gefühle hat das Königreich zuvor noch nie erlebt. Blair fordert die Queen mehrmals auf, endlich vor ihr Volk zu treten und bringt sie letztendlich dazu, einen Schlachtplan zu befolgen, der die Presse ruhig stellt und womöglich eine Verfassungskrise verhindert.
2006 räumte »The Queen« beim Filmfestival in Venedig Preise für die beste Hauptdarstellerin und das beste Drehbuch (Peter Morgan) ab. Regisseur Stephen Frears bekam bereits Oscars für »Gefährliche Liebschaften« und »Grifters«. Auch diesmal hat er sehr genau recherchiert und ist mit sehr viel Liebe zum Detail vorgegangen. Das betrifft sowohl die Art der Darreichung des Frühstücks für die Queen als auch die Kommunikation mit den Angestellten hinter verschlossenen Türen.
Bettina D. Schneider