Blutige Erdbeeren

Drama, USA 1969, 109 min

»Give Peace A Chance« erklingt aus tausend Kehlen, und doppelt so viele Hände klatschen und stampfen den Rhythmus mit. Studenten haben sich in der Uni von San Francisco verbarrikadiert und protestieren lautstark gegen die Kriegspolitik ihrer Regierung. Die Nationalgarde stürmt den Saal, und mit Tränengas und Schlagstöcken wird die Chance für den Frieden niedergeknüppelt. Was bleibt ist Wut, aber auch Hoffnung.
Zumindest niemand aus dem Osten Deutschlands, der den Film gesehen hat, wird jemals dieses Finale vergessen. Er kam zwar erst im März 1973 in die Kinos der DDR, doch auch dann wurde er noch ein Millionenerfolg und emotional prägend für alle damals noch jugendlichen Kinobesucher. Zu den gesellschaftlich relevanten Problemen dieser Zeit, Prager Frühling, Studentenproteste, Hippiebewegung wurden wir ja reichlich spärlich informiert. Lediglich gegen den Vietnamkrieg waren wir auch ganz konsequent, nebenbei bemerkt nicht nur staatlich verordnet, sondern mit Überzeugung. Aber in Sachen Kino sind »Easy Rider«, »Woodstock«, »Alice Restaurant« und »Hair« leider an uns vorbeigegangen. Dadurch wurde die Wirkung eines Films wie »Blutige Erdbeeren« natürlich noch potenziert. Anders im Westen. Dort gab es neben den genannten noch zahlreiche andere Kultstücke, und »Blutige Erdbeeren« spielte eher eine marginale Rolle, was dazu führte, dass ein amerikanischer Major-Verleih sich 1990 wunderte über die dauernden Anfragen aus den „fünf neuen Ländern“ nach einem Film, den er einst im Verleih hatte und an den er sich nicht mehr erinnern konnte.
Nun haben die Jungs von Neue Vision den Film neu ins Kino gebracht, denn sie wissen, was für ein Kleinod es ist. Schon über 30 Jahre alt - ist »Blutige Erdbeeren« noch ebenso packend und leider auch aktuell wie zu seiner Entstehungszeit.
Der Film beginnt mit dem herrlichen Joni-Mitchel-Song »Circle Game« und einer Kamera, die den Studenten Simon in seinem Alltag und in seiner Naivität umkreist. Als er sich jedoch in seine Kommilitonin Linda verliebt, wird er Schritt für Schritt engagierter in seiner Teilnahme an den Studentenprotesten. Das kann dann schon mal in den Knast führen, doch Simon nimmt's gelassen, denn er wollte ja schon immer mal Flugblätter aus einer Bullenschaukel werfen, begleitet von Crosby, Stills, Nash & Young. Musikalisch und optisch vermittelt Hagman ein Zeitgefühl der 60er und 70er Jahre, politisch hat er einen zeitlosen Film gedreht. Wenn im Finale die amerikanische Flagge in Fetzen geht, kann man schon froh sein, dass der Film ja ausschließlich von Amerikanern gedreht wurde, denn dann braucht man sich wenigstens keinen Antiamerikanismus vorwerfen zu lassen, nur weil man gegen Krieg ist.
Wäre übrigens ganz schön, wenn sich die „68er“ Fischer, Schröder und Cohn-Bendit den Film mal anschauen, damit ihnen aufgeht, auf welch schmutziger Seite sie mittlerweile gelandet sind. Frank Apel

Buch: Israel Horovitz nach einem Buch von James Kunen

Regie: Stuart Hagmann

Darsteller: Bruce Davison, Kim Darby, Bud Cort, James Coco, Murray MacLeod

Musik: Ian Freebairn-Smith

Bundesstart: 03.07.2003

Start in Dresden: 03.07.2003

FSK: ab 16 Jahren