Faster

Action/Drama, USA 2011, 98 min

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle über den Film »Almanya - Willkommen in Deutschland« schreiben, doch faster als ich gucken konnte, kam erstmalig die redaktionelle Frauenquote gegen mich zum Tragen, die aber eh schon in den Redaktionsstuben bei vorbildlichen fifty-fifty liegt. Zu mindestens, was die Raumbelegung angeht. Als Trostpflaster bot man mir den hier vorliegenden »Faster« an, was jetzt nicht unbedingt so der adäquate Ersatz ist, aber doch besser, als zunächst angenommen. Also stellte ich mich kurzerhand mental vom beschwingten Migrationsfilm auf den alteingesessenen Rachefilm um und begab mich geographisch zum dritten Male in diesem Monat über den großen Teich. Wen haben wir also da? In erster Linie Dwayne „The Rock“ Johnson, der in letzter Zeit eher durch familientaugliche Sonntagsfilme brillierte als in dem für ihn geeigneteren Actionfach. Dwayne ist der Driver und hat gerade zehn Jahre im Knast gesessen. Bevor der Driver aber den Pfad der Tugenden befährt, muss erst noch sein Bruder gerächt werden, der bei einem durch Verpetzen verpatzten Banküberfall von einer anderen Gangstergang erschossen wurde. Mittlerweile sind die Anderen aber zu angesehenen Bürgern der Gesellschaft avanciert, was ihre Tat in ein nicht minder verabscheuungswürdiges Licht setzt. Der Driver hat so etwas wie einen tödlichen Erledigungszettel, den es nun abzuarbeiten gilt. Aber auch die Gegenseite ist nicht ganz untätig und schickt dem Driver einen eigengearteten Killer Namens „Killer“ (Oliver Jackson-Cohen) auf den Hals, der seine Tätigkeit eher als eine elegante sportliche Nebenbeschäftigung sieht, wie manch einer seine schwuppige Partie Golf.
Doch der Killer möchte sein altes Leben ebenfalls hinter sich lassen und ein geregeltes und erfülltes bürgerliches Leben mit seiner Freundin verbringen. Hinzu kommt dann noch ein abgehalfterter Cop (Billy Bob Thornton), der kurz vor seiner Pensionierung noch mal so ein richtiges Ding klären will. Alles in Allem, was haben wir also? Drei Charaktere, die noch irgendwas für sich zu klären haben, ein ganzes Munitionsdepot, welches es zu verballern gilt, mindestens eine Tankstelle, die leer gefahren werden muss und ein gerüttelt Maß an Leben, das drüber hinzugehen hat. Klingt nach althergebrachtem Strickmuster, ist aber ganz ordentlich und düster in Szene gesetzt worden. Dwayne Johnson hätte etwas mehr Witzigkeit aus früheren Filmen zu Gesicht gestanden und Mr. Thornten spult etwas zu gekonnt Professionalität von seiner Festplatte. Einzig Oliver Jackson-Cohen brilliert hier wirklich durch eine ambivalente Figurenzeichnung, oder wie man das heute so nennt. Nichtsdestotrotz ist »Faster« ein sportlich gemachter Actionfilm, der etwas mehr ist als nur ein bloßes Hau den Lukas. Na ja und am Ende kommt eh alles anders, als der Andere es vom Anderen je vom Thomas gedacht hätten.
Ray van Zeschau (without Rock und Kniestrümpfe)