Die Wolke

Drama, Deutschland 2006, 102 min

Dieser Film ist bloß ein Experiment, und doch kann jeden Tag etwas Derartiges passieren. Es macht Angst. Manchen Politikern machte es solche Angst, dass sie bei Erscheinen des Buches vor 18 Jahren reflexartig die Flucht antraten. Doch Frau Rita Süssmuth bewahrte Haltung. Sie überreichte trotz heftiger Proteste der damals 60-jährigen Autorin Gudrun Pausewang den Jugendliteraturpreis. Seither hat sich einiges geändert im Lande. Das Buch gehört zum Schulstoff, ein Atomausstieg ist irgendwie geplant und die Katastrophenpläne sind schrecklich veraltet. Geblieben ist die Angst, sowie Strahlenschäden vom Tschernobyl -Unfall in unnatürlich hohen Messwerten in unseren Wäldern.
Wohl fast jeder weiß vom Hörensagen, welch verheerende Wirkung Radioaktivität hat, weiß aus Büchern, was es bedeutet, dem atomaren Fallout ausgesetzt zu sein, hat schon einmal von Halbwertzeiten, der Zerstörung roter Blutkörperchen und dem erhöhten Knochenkrebsrisiko gehört. Aber kaum einer kann sich vorstellen, was tatsächlich passiert, wenn durch einen Störfall in einem Kraftwerk eine radioaktive Wolke austritt. Hannah und Elmar, sie 16 und er 18 Jahre alt, beginnen sich gerade ineinander zu verlieben, Hannahs Mutter fährt zu einem Kongress und in der Schule gibts Stress. Alles ist wie immer. Es ist ein Tag im Frühling, an dem Elmar und Hannah einander zum ersten Mal küssen. Für beide beginnt sich gerade die Welt etwas schneller zu drehen, als aus heiterem Himmel ein Störfall in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft zur Katastrophe wird. Binnen kurzer Zeit sterben 40.000 Menschen an den direkten Folgen eines Reaktorunfalles. Die Menschen aus Schlitz und den umliegenden Orten versuchen zu fliehen, für die meisten ist der Bahnhof von Bad Hersfeld das einzige Tor zur Rettung. Auf der Flucht vor der radioaktiv verseuchten Wolke versinkt für Elmar und Hannah die Welt um sie herum im Chaos. Anarchie greift um sich, es gibt kein Halten mehr, jeder ist sich selbst der Nächste. Hannahs Bruder stirbt, die Mutter ist nicht da, und Hannah und Elmar verfehlen einander.
In Deutschland arbeiten 17 Atomkraftwerke, größtenteils im Westteil. Doch der Wind steht für alle ungünstig. Wer weiß schon, was zu tun ist und wer kennt überhaupt den amtlichen Warnton (eine Minute Sirene, zweimal unterbrochen durch an- und abschwellenden Ton). Dass nach Aussagen der Betreiber “ein Unfall nach menschlichem Ermessen auszuschließen sei“, kann jeder für sich selbst durchdenken. Sicherheit ist bequem. Restrisikos sind es nicht.
C.Fredo