TRAILER

Helle Nächte

Drama, Deutschland/Norwegen 2017, 86 min

Wenn zwischen Vater und Sohn vierzehn Jahre nichts als stille Leere herrschte, könnte ein gemeinsamer Trip in die menschenleere Ferne von Norwegens Norden genau das Richtige sein. Wo man sich nicht voneinander ablenken oder aus dem Weg gehen kann, wo einem nichts weiter bleibt, als den Anderen zu ertragen. Und kennen zu lernen. Michael (Georg Friedrich) ist gebürtiger Österreicher und arbeitet in Berlin, wo ihn die Nachricht vom Tod seines Vaters ereilt. Er packt die Gelegenheit beim Schopfe und überredet seinen Sohn Luis (Tristan Göbel), mit ihm zu Großvaters Anwesen in Norwegen zu fahren, um dort die Formalitäten zu regeln und das Begräbnis zu erledigen. Viel bleibt den Beiden nicht zu tun, Luis macht keine Anstalten, emotionales Kapital aus der Begegnung zu schlagen und auch Michaels Ambitionen sind eher überschaubar. Sie könnten genauso gut zwei zufällig gemeinsam reisende Fremde sein, die unverbindliche Kommentare suchen zu dem Nichts an Ereignissen. Schauspieler wie Georg Friedrich (Silberner Bär für die Beste Hauptrolle bei der Berlinale 2017) erleiden nicht gleich Schiffbruch mit ihrer Kunst, wenn ihnen Regisseure wie Thomas Arslan ein solch schmales Drehbuch vorhalten. Der letzte, tapfere Kämpfer unter den deutschen Regisseuren für die Berliner Schule drehte zuletzt in den Weiten Kanadas sein Epos »Gold« und es scheint nicht viel zu geben, das ihn zu Großstadtgeschichten zurückzieht. Genüsslich lässt er seine kleine Familie durch die Wälder Norwegens ziehen, setzt sie quasi aus bei laufender Kamera und hofft, sie mögen sich endlich zusammenraufen. Schickt sie auf kurviger Straße in den Nebel, gönnt ihnen auch mal zwei leere Drehbuchseiten, die sie geschickt füllen mit stummer Zwiesprache und mit dem Fazit; einen Vater verlierst du nicht in vierzehn Jahren und bekommst ihn in vierzehn Tagen zurück.
Alpa Kino